Sogar die Bauern machen mit: Jeder fünfte in Europa mäht und wirtschaftet ein bisschen ökologisch, karrt weniger Dünger und Schädlingsvernichter aufs Feld, wartet länger, bis er das frische Gras von der Wiese holt. Um gebeutelten Tieren und Pflanzen beim Fortpflanzen behilflich zu sein, lässt sich die EU diese guten Werke jedes Jahr 1,7 Milliarden Euro kosten. Nach holländischem Vorbild werden bereits 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Europas so bestellt, dass die Umwelt davon profitieren sollte

dass die Biodiversität zunimmt, die Landschaft erblüht.

Das ist gut so. Nur ist es beim Umweltschutz wie im üblichen Leben: Alle müssen mitmachen. Nur dann funktioniert es. Ausgerechnet die ausgespähten Profiteure aber weigern sich beim Ökolandbau partout, ihr Scherflein beizutragen: die seltenen Arten. Forscher der Abteilung für Naturschutz- und Pflanzenökologie an der holländischen Universität Wageningen haben geprüft, ob Pflanzen und fleuchendes Getier auf Hollands Wiesen ihren biodiversen Pflichten nachkommen (Nature, Bd. 413, S. 723). Es stimmt bedenklich, dass dem nicht so ist. Das teure Schonen und Pflegen der Felder hat, schreiben die Ökologen, "keinen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt von Pflanzen und Vögeln".

Von den Watvögeln haben der Austernfischer und die Uferschnepfe überhaupt nicht kapiert, worum es geht. Die beiden machen sich ohnehin rar, jetzt haben sie die Nachwuchsproduktion ausgerechnet auf jenen Wiesen runtergefahren, die dank menschlicher Voraussicht später, nach dem Juni, gemäht werden. Von 268 kontrollierten Tierarten haben ganz wenige überzeugende Resultate vorzuweisen: Gemeiner Star, Biene, Schwebfliege.

In der Ökowildnis stellen sich einige Arten sehr unartig an. Obwohl moderates, selektives Förstern den Kahlschlag ersetzt, hält es der Auerhahn noch seltener für nötig, sich blicken zu lassen. In Afrika schwächeln Wildhunde und Geparden schon, wenn ihnen in den schönen Reservaten ein paar Hyänen und Löwen mehr in die Quere kommen. Und kanadischen Bären und Hirschen ist es in den Wäldern zu dunkel geworden, seit wir keine Schneisen und Lichtungen mehr reinfräsen.

Es ist ja nicht neu, dass Verhaltensweisen im Tierreich zu wünschen übrig lassen. Seit Spanien auf zentrale Mülldeponierung umgestellt hat, feiern die Störche ausgerechnet an diesen müffeligen Halden Fress- und Vermehrungsorgien. Widerlich. Bachstelzen tun sich am liebsten an den Kühlergrills unserer Autos gütlich - dabei gibt's doch Insekten genug.

Allerorten richtet man Naturschutzgebiete ein