Wenn der Staat sich überfordert fühlt, dann braucht er seine Bürger - vor allem die mit Internet-Zugang. Die moderne Form der Beteiligung praktiziert das Kanzleramt seit kurzem beim Thema Nachhaltigkeit. Das sperrige Sujet sei der "entscheidende Maßstab und Kompass für die Beantwortung der drängenden Zukunftsfragen unserer Gesellschaft", heißt es in der Berliner Machtzentrale.

Umso mehr komme es bei der Arbeit daran auf einen "breiten gesellschaftlichen Dialog" an. Allerdings dürfte Kanzler Gerhard Schröder und seinen Nachhaltigkeitsbeauftragten Hans Martin Bury nicht alles erfreuen, was die Chat- und Forumsteilnehmer bisher auf der Internet-Seite dialog-nachhaltigkeit.de hinterlassen haben. Von dort schlägt den Regierenden nämlich auch einiger Frust entgegen. Die Aktion und das plötzliche Interesse an dem Thema sei "doch lediglich ein symbolisches Zugeständnis des Kanzleramtes an den kleinen Koalitionspartner", mokiert sich etwa ein Teilnehmer. Und "ein Österreicher" berichtet, in seiner Heimat gebe es schon seit längerem eine ähnliche Veranstaltung, "aber es wird nichts getan, es wird nur darüber geredet". In Deutschland werde das womöglich "nicht viel anders sein".

Immerhin verspricht Bury, die Anregungen in die nationale Nachhaltigkeitsstrategie einfließen zu lassen. Ein erster Entwurf dafür soll schon im Dezember vorliegen.