Gebirgsjäger nach Afghanistan! Spürpanzer in den Irak! Aber bitte, warum kleckern, wenn man klotzen kann? Ein "Brigadeäquivalent" mit rund 6000 Mann, gepanzert und mechanisiert, macht sich doch überall gut! Warum nicht gleich ein Blauhelmkontingent nach Palästina schicken? Bei der Frage, welchen Beitrag Deutschland zum Antiterrorkrieg leisten soll, schaltet die Berliner Gerüchteschleuder in den Turbogang.

Was dieser Tage an offiziellen, halb- und suboffiziellen Einlassungen aus dem Regierungslager nach außen dringt, ist indes wenig geeignet, die Aufregung zu dämpfen. Im Gegenteil. Der Bundeskanzler warnt seit zwei Wochen bei jeder Gelegenheit, Deutschland werde sich am militärischen Einsatz beteiligen, und zwar "schon in Kürze". Sein Sprecher Uwe-Karsten Heye bestätigt, es gebe noch keine "operativ-konkretisierten Anforderungen", doch würden mit den USA "Diskussionen über die militärischen Fähigkeiten der Bundeswehr" geführt. Und präzisiert: "In Kürze" sei "ein Begriff, der zwischen Wochen und Monaten liegen kann".

Michael Glos, CSU-Landesgruppenvorsitzender im Bundestag, weiß nach vertraulicher Unterrichtung durch den Kanzler zu berichten, deutsche Soldaten würden "direkt in Operationen mit involviert", und die Planungen befänden sich "schon ein Stück weit in einer Konkretisierungsphase". Der Verteidigungsminister wiederum vermag am selben Tag "nicht den Hauch eines Ansatzes" für einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan zu entdecken. Was an Details in dieser Debatte zu vermissen ist, wird allerdings mehr als wettgemacht durch die kontinuierlich gefütterte Frontberichterstattung vom Stellungskampf zwischen Verteidigungsstaatssekretär Walther Stützle und seinem Antipoden, Generalinspekteur Harald Kujat.

So weit, so unbefriedigend. Gesichert ist derzeit nur eines: Gibt es auch nur den Hauch eines Ansatzes von friedens-fundamentalistischem Widerstand, erklärt der Kanzler den Richtlinienkompetenzfall. Auch wenn man noch nicht recht weiß, wohin der Hammer geworfen werden soll: Zu Hause muss klar sein, wo er hängt.

Wer aber plant denn nun das Wieviel, Wo und Wann? Leichter zu sagen, wo derzeit nicht der Einsatz vorbereitet wird. Bei der Nato herrscht Grabesruhe seit einer ersten Anfrage der Amerikaner Anfang Oktober, die sofort erfüllt wurde (deutsche Awacs-Aufklärungsflugzeuge zum Schutz des Luftraums über Amerika, eine Fregatte samt Versorgungsschiff für den US-Flottenverband im Mittelmeer). Bündnisfall hin oder her, die wichtigste Lektion des Kosovo-Krieges für Washington ist offensichtlich: Nie wieder Kriegsführung per Komitee! Diplomaten in Brüssel ahnen allerdings: Wenn etwas schief geht, sind wir wieder dran.

Auch die Abgeordneten des Bundestages sind zu Wochenbeginn in eine 14-tägige Sitzungspause gezogen. Eine Sondersitzung hat die SPD-Fraktionsspitze vorsorglich ausgeschlossen. Damit gab's schon mal schlechte Erfahrungen, als es - ach, das waren friedliche Zeiten, nur wusste es keiner - um ein paar hundert Soldaten für Mazedonien ging. Vorlage also in der zweiten Novemberwoche, frühestens.

Stille auch in jenen Büros des Auswärtigen Amts, die im Falle eines Bundeswehreinsatzes die Parlamentsvorlagen zu verfassen hätten. Selbst in den Planungs- und Führungsstäben des Verteidigungsministeriums harrt man der Weisungen, die erhellen könnten, wohin die Reise geht. Wir warten auf den Brief aus Washington, heißt es allerseits. Nachsatz: Ein derartiger Wunschzettel entstehe in einem "iterativen Prozess". Will sagen, Washington und Berlin handeln die Liste vorher untereinander aus. Damit die Anbieter gar nicht erst mit Bitten konfrontiert werden, die sie nicht erfüllen können.