Während die großen und kleinen Spielefans in den USA sich auf Weihnachten freuen können, müssen die europäischen sich noch gedulden: Erst am 14. März, das wurde vergangene Woche bekannt gegeben, wird Microsofts Spielkonsole mit dem Namen Xbox in den Läden stehen.

Der größte Software-Hersteller der Welt wagt sich an die Produktion greifbarer Dinge. Und klotzt: Die ungarische Fabrik, die ganz Europa versorgt, soll in den ersten drei Monaten 1,5 Millionen der Geräte ausspucken, damit es gar nicht erst zu Engpässen kommt wie beim Konkurrenten Sony im vergangenen Jahr bei der Auslieferung der Playstation II.

Microsoft betritt damit einen umkämpften Markt, der im Moment noch von zwei Rivalen beherrscht wird: Sony, dessen Playstation im Moment die rechenstärkste Konsole ist, und Nintendo, das noch vor dem Fest den neuen Gamecube in Europa auf den Markt bringen will.

Kann ein US-Hersteller in den japanisch beherrschten Markt einbrechen? Die harten Fakten sind schnell erzählt: Die Xbox wird mit 479 Euro die teuerste Spielkonsole sein, aber auch die beste. Eine interne Festplatte und ein serienmäßiger Anschluss für einen breitbandigen Internet-Zugang weisen neue Wege. Die Festplatte soll hauptsächlich Daten von den Spiele-DVDs zwischenspeichern und so einen schnelleren Zugriff ermöglichen. Der Internet-Anschluss ermöglicht nicht nur das Nachladen von neuen Spielvarianten, sondern verweist auch auf die Zukunft, in der die traditionellen Konsolenspiele mit interaktiven Netzspielen eine neue Verbindung eingehen sollen - dann kämpft man nicht mehr gegen maschinelle Gegner, sondern übers Internet gegen einen menschlichen Mitspieler.

Aber das ist Zukunftsmusik. Die potenziellen Kunden interessieren sich weder für technische Details noch für das, was irgendwann vielleicht möglich sein wird. Das einzige Argument, einen Spielefan zum Kauf einer Konsole zu verleiten - insbesondere wenn er schon ein Konkurrenzprodukt besitzt -, sind die Spiele selbst. Und da macht Microsoft klar: Zielgruppe, zumindest für den ersten Schwung der Geräte, sind die hart gesottenen Videospielfans.

Entsprechend wird die Xbox, obwohl sie eigentlich ein recht guter Computer ist, auch keinen Internet-Browser enthalten (wie die gescheiterte Dreamcast von Sega). Und das Abspielen von DVD-Filmen erfordert ein Zusatzset. Der wohl richtige Gedanke dahinter: Vor einem Jahr, als Sony die Playstation einführte, war die Verwendung als DVD-Player noch ein willkommener Zusatznutzen. Inzwischen sind die reinen DVD-Geräte so preiswert, dass sich kaum jemand die Konsole kaufen wird, um damit Filme anzuschauen.

Dass Microsoft sein Hauptaugenmerk auf die traditionelle Videospielklientel richtet (vor allem männliche Jugendliche von zwölf Jahren aufwärts), sieht man vor allem an der Auswahl der Spiele, die mit den Xboxen in die Läden kommen werden: Dead or Alive 3, ein Prügelspiel, bei dem man je nach Geschmack als dürftig bekleidetes Mädchen oder als muskelstrotzender Adonis Gegner k.o. schlägt