Eigentlich war es ja gut gemeint: Ein neues Gesetz sollte Arbeitnehmer absichern, aus befristeten Verträgen sollten unbefristete werden. Heraus kam aber das Gegenteil: Statt mehr feste Stellen zu schaffen, machen die Arbeitgeber die Schotten dicht. Wer schon einmal befristet beschäftigt war, bekommt keine zweite Chance auf einen Zeitvertrag - denn er könnte eine unbefristete Stelle einklagen.

Diese Bestimmung hätte für Proteste sorgen müssen. Doch sie ist versteckt in den Paragrafen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes vom 1. Januar 2001. Die Auswirkungen werden erst jetzt deutlich: Wer nach einem Zeitvertrag ein zweites Mal für denselben Arbeitgeber tätig werden will, kann dies laut Gesetz nur mit einem unbefristeten Vertrag. Gleich, ob der erste Vertrag 20 Jahre oder zwei Monate zurückliegt, gleich, ob es sich um eine vierwöchige Aushilfstätigkeit oder eine Zweijahresbeschäftigung handelte. Doch mit Festeinstellungen sind Arbeitgeber geizig. In schlechten Zeiten sowieso, aber auch in guten. Sie haben Angst, dass sie sich nur schwer von den Mitarbeitern wieder trennen können, sollten die Umsätze sinken.

"Das Gesetz ist eine Katastrophe", sagt Ingrid Kolb, Leiterin der Hamburger Henri-Nannen-Schule, der Journalistenschule von Gruner + Jahr und der ZEIT.

"Vor allem bei Zeitschriften bekommen junge Journalisten schon seit Jahren zunächst nur befristete Verträge, egal, wie gut oder schlecht die Geschäfte laufen." So sind die Berufsanfänger der Medienbranche die Leidtragenden.

Verlage und Hörfunksender wollen flexibel bleiben und die Zahl der unbefristet Beschäftigten möglichst gering halten. Der Verlag Gruner + Jahr bietet beispielsweise Halbjahres- und Jahresverträge an, Burda und Bauer und der Handelsblatt-Verlag vergeben ebenfalls Jahresverträge. Der Axel Springer Verlag versucht, eigenen Journalistenschülern Planstellen anzubieten, weicht aber häufig auf Zeitverträge aus. Ähnlich sieht es beim Hamburger Spiegel-Verlag aus. Auch der WDR und der NDR beschäftigen viele Mitarbeiter über befristete Verträge.

Die Personalabteilungen reden ungern über das Dilemma. Vielmehr beteuern die Verlage, dass einzelne Verträge seit Inkrafttreten des Gesetzes "entfristet" wurden. Die Betonung liegt allerdings auf einzeln

es sind nur sehr wenige, die wegen des Gesetzes eine Planstelle bekommen haben.