Biogasanlagen machen etwas nach, was in der Natur täglich abläuft: in Mooren, im Verdauungsapparat von Tieren, aber auch in Mülldeponien. Unter Luftabschluss verwandeln anaerobische Bakterien organisches Material in Gase, vor allem Methan und Kohlendioxid. Im Prinzip braucht man für eine Biogasanlage also nur einen luftdichten Behälter, einige Bakterien sowie etwas organischen Abfall.

Biogasanlagen können alle Sorten von organischem Abfall verdauen: Gülle, sortierten Hausmüll, Schlachtereiabfälle oder Klärschlamm. All dies würde ohnehin verrotten. Biogasanlagen sammeln die Gase und schicken sie in Verbrennungsmotoren. Dabei wird zwar wieder Kohlendioxid frei, aber das war beim Aufbau des organischen Materials vorher der Luft entnommen worden. In einer Art Kreislauf belasten Biogasanlagen die Atmosphäre also nicht mit zusätzlichem CO2. Ein besonderer Clou: Auch bei vielen natürlichen Verrottungsprozessen entsteht Methan. Entweicht es in die Luft, wirkt es extrem umweltschädlich, sein "Treibhauseffekt" liegt etwa 19-mal höher als beim Kohlendioxid. Aber in Biogasanlagen wird es verbrannt. Alles in allem produzieren die Anlagen somit Strom und Wärme auf eine sehr umweltfreundliche Art.

In der Praxis ist die scheinbar so einfache Biogasproduktion jedoch kompliziert. Zum einen muss das Ausgangsmaterial auf bestimmte Temperaturintervalle aufgewärmt werden, denn eine anaerobische Verdauung verläuft bei normalen Temperaturen eher langsam. Die mesophilen Bakterien arbeiten erst bei 35 bis 40 Grad effektiv. Schwer verdauliches Material kann an thermophile Bakterien verfüttert werden, aber die kommen erst zwischen 50 und 60 Grad in Form.

Außerdem verläuft der Prozess über mehrere Stufen, und auf jeder Stufe erfüllen besondere Sorten von Bakterien ganz spezifische Aufgaben.

Zwischenprodukte und Bakterienkulturen müssen daher im richtigen Verhältnis vorhanden sein. Doch das biologische Gleichgewicht ist empfindlich. Wird es durch falsche "Fütterung" oder Temperaturschwankungen gestört, dann gehen die Bakterien ein. Erst in Wochen oder gar Monaten kommt die Biogasanlage wieder richtig in Gang.

Aber auch die richtige "Fütterung" ist schwierig. Bei der Gülle weiß man ja noch ziemlich genau, was man in die Anlagen schickt. Bei Hausmüll wird es schwieriger. Trotz erneuter Müllsortierung rutschen immer wieder Reste von Plastiktüten und andere Fremdkörper in die Anlagen. Außerdem lässt sich die Zusammensetzung des Reaktorinhaltes nur mit zeitlicher Verzögerung korrigieren, denn die Verweildauer des Materials beträgt rund zwei Wochen.

Gülle, nach wie vor das am meisten benutzte Ausgangsmaterial, enthält oft viel Sand, der häufig die Anlagen verstopft. Dieses Problem lässt sich durch Umrühren der Gülle lösen. Der Sand sammelt sich dann wegen des "Teetasseneffekts" am Rande des Behälters und kann entfernt werden.