Ein verlängertes Wochenende lang führte der amerikanische Präsident den Krieg gegen Afghanistan aus einer Shanghaier Hotelsuite. Morgenlage am Huangpu über sichere Telefonleitungen nach Washington: Wir leben in neuen Zeiten.

Im boomenden Shanghai, beim asiatischpazifischen Wirtschaftsgipfel, trafen sich die drei Großen der Weltpolitik - der Amerikaner Bush, der Russe Putin und der Chinese Jiang Zemin. Im beschaulichen Gent saßen derweil die drei Kleinen der Weltpolitik zusammen: Tony Blair, Jacques Chirac und Gerhard Schröder. Hier wie dort ging es um den Kampf gegen den Terror. Hier tagten die Verbündeten, dort die Koalitionäre. Schröder, Chirac und Blair, die Nato-Partner, berieten über den Beitrag der Europäer

Putin, Jiang und Bush, die Koalitionäre, sprachen über den Einsatz der Amerikaner. Ein Unterschied, der die Spannung in der globalen Antiterrorallianz offenbart. Und die ganze Staatskunst des US-Präsidenten fordert.

Möge George W. Bush weiter an seiner Aufgabe wachsen! Auf die Verbündeten kann er sich ja verlassen. Aber um die Koalitionäre muss er werben

er wird ihnen schmeicheln und drohen - und ihrer doch nie sicher sein. Und er wird einen Preis zahlen müssen.

Der aber vernünftig sein kann. Etwa wenn Bush den ABM-Vertrag nicht kündigt.

Putin will eine Verständigung bei der Raketenabwehr: Terroristen schössen nicht mit Interkontinentalraketen. Bush ist sich da nicht so sicher. Eines aber ahnt er: Dieser Koalitionär möchte Verbündeter werden. Damit droht Jiang noch nicht. M.N.