Wenn New Yorker überhaupt etwas über Michael Rubens Bloomberg wissen, dann, dass er reich ist. Ein Milliardär vielleicht. Ein Geschäftsmann, der von sich behauptet, dass er ihre Stadt führen kann, weil er allein ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat. "Ich kann alles besser als andere", sagt der 59-Jährige. Am 6. November will er es wissen. Dann wählt New York den Nachfolger des populären Bürgermeisters Rudy Giuliani. Als Kandidat der Republikaner tritt Mike Bloomberg gegen den konturarmen Demokraten Mark Green an. Das Rennen ist offen - Bloombergs schwerster Kampf.

Nicht nur weil sich mancher New Yorker nach dem 11. September fragt, ob ein hartleibiger Geschäftsmann wirklich der geeignete Kandidat für das Amt des Bürgermeisters ist - oder vielleicht nicht doch ein richtiger Politiker wie Green, der in New Yorks politischer Maschinerie groß geworden ist und sie in allen Facetten kennt. Schwer wird es für Bloomberg auch, weil das Unternehmen, das er gründete und führt, schwächelt. Der Glanz des unternehmerischen Erfolgs, der seinen politischen Feldzug beflügeln sollte, verblasst etwas.

Bloomberg ist Chef und Mehrheitseigner eines nach ihm benannten Infomultis mit 7600 Mitarbeitern in 108 Büros. In zwanzig Jahren hat er ein Unternehmen mit 2,4 Milliarden Dollar Umsatz geschaffen. Haupteinnahmequelle sind Finanzterminals, die "Bloombergs". Eine Wundermaschine - liefert sie doch in Echtzeit Daten über mehr als 800 000 Aktien- und Währungskurse, über Anleihen, Bilanzen und Nachrichten.

Wer ist dieser Mike Bloomberg? Das amerikanische Magazin Newsweek nennt ihn den Infomogul der Neunziger. Bis zu vier Milliarden Dollar sei er schwer, schätzt das US-Magazin Forbes. Aber wie tickt er? "Was man über Mike wissen wollen könnte, findet man im Office", sagt ein Vertrauter.

New York, 499 Park Avenue - die Zentrale von Bloomberg L. P. Die Atmosphäre ist hektisch. Besucher geraten in eine glamouröse, energiegeladene Welt. Von den Wänden flimmern über Dutzende Flachbildschirme Marktdaten und Nachrichten. Das Konzernradio beschallt die Anwesenden penetrant mit aktuellen Informationen und Gerüchten von den Weltbörsen. Inmitten dieses Nachrichtenufos stehen Seewasseraquarien - voll schillernder Korallen, wuchernder Pflanzen und glitzernder Fische. Daneben tummeln sich Bloombergs Mitarbeiter wie Ameisen um die Snackbar. Hier gibt es alles umsonst - Sandwiches, Schokoriegel und reichlich Kaffee. Hier ist das Kommunikationszentrum. Die Bloombergianer reden übers Geschäft. Rund um die Snackbar arbeiten Hunderte Bloomberg-Reporter an ihren Microschreibtischen - jedem, auch Mike selber, stehen knapp 1,50 Meter zu - und füttern den Bloomberg mit Fakten und Nachrichten. Wie die Wall Street im Konzentrat.

Männlich, zynisch, aggressiv

Die Parallelen sind keineswegs zufällig. In atemberaubendem Tempo hat Mike Bloomberg seit 1981 ein Imperium aufgebaut, das in der Finanzwelt ohnegleichen ist. Er besitzt einen Nachrichtendienst, zahlreiche TV-Sender, Radiostationen, drei Hochglanzmagazine und einen Buchverlag. Die Branche zollt ihm Respekt. "Michael Bloomberg ist der kreativste Medienunternehmer unserer Zeit und, zusammen mit Bill Gates, vermutlich auch der erfolgreichste", lobt Medienzar Rupert Murdoch. Sosehr ihm die Anerkennung der Moguln schmeichelt - seine Welt ist die Wall Street. Dort seien seine wahren Freunde, heißt es. Die Unternehmenskultur spiegelt die "männlich-dominierte, aggressive Welt der Börse", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter.