Heimann Systems ist ein Unternehmen, das den Inhalt Ihrer Handtasche wahrscheinlich besser kennt als Sie selbst. Bevor Sie in ein Flugzeug steigen, schaut es in Ihr Gepäck, durchleuchtet Schminkkoffer und Notizbücher, untersucht Hemd, Hose und Regenschirm. Der Hersteller von Röntgenprüfgeräten ist ein Weltmarktführer in der Provinz. Seinen Firmensitz hat Heimann Systems in Erbenheim bei Wiesbaden, doch 90 Prozent der 160 Millionen Euro Jahresumsatz macht es im Ausland. Die Anlagen stehen fast überall - auf den Flughäfen von Sydney, Brüssel und München, in den Hafenstädten Italiens und Chiles und auch in Hamburg. Sie sollen den Menschen die Angst vorm Fliegen nehmen, indem sie Gepäck auf Sprengstoff, Messer und Pistolen untersuchen und Container oder Lkw auf Drogen oder Schmuggelware prüfen. Selbst an New Yorker Schulen steht Heimanns Apparatur und soll verhindern, dass Waffen in Schulgebäude gelangen. 18 000 Geräte sind weltweit im Einsatz, jedes Jahr werden es 2000 mehr.

Erst im Februar 2000 hatte der Sicherheitsdienstleister das alte Firmengelände verlassen und einen Neubau mit erweiterten Anlagen bezogen. Doch auch der erwies sich nach der Fertigstellung als zu klein. Die Produktionsfläche wird sich verdreifachen, die repräsentative Einfahrt, die frisch planierten Parkplätze müssen weichen.

Angesichts des stürmischen Umsatzwachstums der vergangenen Jahre ist der Ärger im Unternehmen groß, wenn man als "Profiteur der Krise" dargestellt wird, der nun die "Terrordividende" kassiere, wie Zeitungen schrieben. "Das ist totaler Schwachsinn", empört sich Marketingchef Bernhard Semling.

Den Grundstein für Heimanns Erfolg legte ein Beschluss der Internationalen Luftfahrtbehörde von 1992, der vorsieht, dass jeder Koffer vor dem Reiseantritt überprüft werden muss. Die Regelung soll ab 2003 gelten; inzwischen ist die Frist um ein Jahr verlängert worden, weil viele Flughäfen die Umstellung nicht schaffen. Oft wird nur das Handgepäck lückenlos überprüft. Allerdings haben München und Düsseldorf schon eine vollautomatische Kontrolle für aufgegebenes Gepäck.

Auf die Idee, Koffer mit Röntgenstrahlen zu kontrollieren, kam das Unternehmen eher zufällig. Lange Zeit stellten die Hessen Fernsehaufnahme- und Blitzlichtröhren her, der Gründer Walter Heimann galt als Pionier der Fernsehbranche, dem die Übertragung der Olympischen Spiele 1936 gelang. Röntgenprüfgeräte werden erst seit Anfang der siebziger Jahre produziert, als sich Flugzeugentführungen häuften. Damals begannen ein paar Tüftler, den ersten Kofferprüfer zu entwickeln. Die Röntgenstrahlen stellen Material, Dichte, Transparenz und Gewicht fest. Eine Software vergleicht die Eigenschaften mit einer Datenbank, das System entscheidet, welche Taschen und Koffer verdächtig sind und deshalb zur eingehenden Untersuchung aussortiert werden. Pro Stunde können auf diese Weise 1500 Gepäckstücke gescannt werden.

Beile, Totschläger, Chemikalien

Seit Anfang der neunziger Jahre gehört der Röntgenspezialist zum Rheinmetall-Konzern. Die neueste Entwicklung der High-Tech-Schmiede ist eine 3-D-Maschine. Auf einer Drehscheibe werden die Gepäckstücke von allen Seiten durchleuchtet. Der mehrdimensionale Röntgenblick durchdringt selbst vier Zentimeter Stahl. "Wir erkennen die Silhouette von George Washington auf einer durchleuchteten US-Quarter-Münze", wirbt Semling. 20 000 Euro kostet ein Apparat, der Briefbomben identifiziert, bis zu 15 Millionen müssen für voll automatische Röntgenstraßen investiert werden.