Jerry Hall. Schon wieder. Per Klonverfahren habe er aus menschlichen Embryonen viele neue erzeugt, hatte Hall 1993 begeisterten Kollegen verkündet - und damit Tage später einen weltweiten Entrüstungssturm entfacht. Die Sache war dann doch nicht so schlimm, Hall hatte mit nicht lebensfähigen Embryonen gearbeitet. Immerhin war bewiesen: Menschliche Keime können zu identischen Vier- oder Achtlingen vervielfältigt werden. Hall bekam damals den Konferenzpreis für die interessanteste Präsentation.

Nun hat er erneut zugeschlagen und Fachkollegen beeindruckt, diesmal allerdings mit Manipulationen an Mäusen. Unbefruchtete Eizellen könnten dank eines speziellen Verfahrens ohne Spermien zu Mausembryonen heranwachsen, teilte Hall beim Jahrestreffen der US-Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin in Orlando, Florida, mit. Aus diesen parthenogenetisch, also jungfäulich erzeugten Embryonen habe er embryonale Stammzellen (ES) gewonnen. Diese seien sogar zu Nervenzellen gereift. Als einen Durchbruch hatte Tagungschef Michael Soules die Mitteilungen Halls gefeiert: "Ein neuer Weg für die Herstellung von Stammzellen."

Allerdings ist das Verfahren nicht neu. "Solche Experimente wurden schon vor vielen Jahren beschrieben", sagt der Freiburger Stammzellexperte Davor Solter, "warum machen die jetzt so einen Aufstand?" Vor allem deshalb, weil mit dem Verfahren die Zerstörung menschlicher Embryonen zur Herstellung von ES-Kulturen vermieden werden könnte - und mit ihm die quälenden bioethischen Debatten um die Zulässigkeit der Embryonenforschung. Die Frage lautet nun, ob sich das Mausexperiment auch mit menschlichen Eizellen wiederholen lässt. Solter ist da zuversichtlich: Er wäre "wirklich überrascht", wenn es nicht gelänge, auf diese Weise menschliche Stammzellen herzustellen. "Ehrlich gesagt", meint der Max-Planck-Forscher, "wundert mich noch mehr, dass es noch niemand getan hat."

Dann wäre jedoch noch zu klären, ob parthenogenetische Stammzellen medizinisch brauchbar sind. Schon vor Jahren hätten er und Kollegen solche Zellen in Mausembryonen übertragen, berichtet der Berliner Genetiker Reinhard Fundele. In den Nagern seien die gezüchteten Zellen zwar zu Nervenzellen herangewachsen. Aber: "Die Tiere verhielten sich nie normal."