Die Frage, ob Kaffee gesundheitsschädlich ist, beschäftigt die Gelehrten nicht erst seit kurzem. Schon im 18. Jahrhundert interessierte sich der damalige schwedische König Gustaf III. dafür: Er begnadigte ein zum Tode verurteiltes Zwillingspaar unter der Bedingung, dass einer von beiden dreimal täglich eine große Schale Tee trinken musste und der andere die entsprechende Menge Kaffee. Der Teetrinker starb als Erster - im für damalige Verhältnisse biblischen Alter von 83 Jahren. Die königlichen Ärzte folgerten, Kaffee sei weniger gefährlich als Tee.

Der Streit dauert bis heute an. Obwohl neuere Studien inzwischen belegen, dass Kaffee entgegen früherer Annahmen weder für Herz- noch Magenbeschwerden verantwortlich ist, warnen viele Ärzte vor der "flüssigen Droge". Auch das Suchtpotenzial des Kaffees wird überschätzt. Bei Tieren zumindest können moderate Koffeindosen keine für die Sucht verantwortlichen Strukturen im Gehirn anregen, fand kürzlich ein Team um Astrid Nehlig vom französischen Gesundheitsinstitut Inserm in Straßburg heraus. Verschiedene Fakten sprechen dagegen, dass Kaffee süchtig macht. So bleibt eine Abhängigkeit weitgehend aus, und Kaffeefans, die auf zehn bis zwölf Tassen am Tag kommen, steigern ihre Dosen nicht noch weiter - wie es etwa ein Heroinabhängiger tut. Außerdem besteht die aufputschende Wirkung des Kaffees, die eindeutig die Hirnleistung vorübergehend verbessern kann, auch noch bei älteren Leuten, die seit vielen Jahrzehnten ihren Kaffee geschlürft haben.

Auch Astrid Nehlig geht dieser Frage nach. "Wir messen den Blutfluss im Gehirn vor und nach dem Kaffeekonsum mithilfe der Kernspintomografie", erklärt sie ihr Vorhaben. Nur wenn sich die Durchblutung bestimmter Hirnregionen steigern ließe, könne ein Rückschluss auf eine Kaffeeabhängigkeit gezogen werden. "In den USA gibt es eine Antikaffeebewegung, ähnlich wie gegen Zigaretten, die krampfhaft nach Beweisen für die Schädlichkeit des Kaffees sucht", sagt die Physiologin. Doch viele dieser Interessengruppen betreiben ihrer Ansicht nach keine seriöse Forschung. Sie selbst trinkt am Morgen lieber schwarzen Tee. Da hat sie immerhin nur die halbe Dosis an Koffein in ihrer Tasse, was gerade ausreicht für die "positiven Wirkungen", als da sind: die Schläfrigkeit vertreiben, das Wohlbefinden und die Laune steigern. Erst ab der dritten Tasse Kaffee - oder ab der sechsten Tasse Tee - treten die negativen Effekte auf: Nervosität, Gereiztheit, Herzklopfen und Magenprobleme. Der normale Kaffeekonsument aber hört meistens vorher auf.

Eine Studie deutet umgekehrt sogar darauf hin, dass Kaffe gar gesundheitsfördernde Eigenschaften hat. So haben Kaffeetrinker seltener Gallensteine oder werden zumindest seltener von entsprechenden Symptomen geplagt. Seit Ende vergangenen Jahres ist Kaffee auch nicht mehr verdächtig, das Herz zu schädigen. Zumindest fand eine in den Archives of Internal Medicine veröffentlichte Studie keinen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Herzinfarktrisiko. Nur im nichtgefilterten Kaffee gebe es bestimmte Stoffe, die das Cholesterin im Blut steigen ließen, sagt Helmut Gohlke, Leiter der Gruppe für Prävention der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Dies sei jedoch nur ein indirekter Hinweis dafür, dass der Kaffee die Gefäße angreift. Bei gefiltertem Gebräu hingegen sehe er keine Risiken für das Herz. "Viel wichtiger ist, die Sahne und den Zucker einzuschränken", empfiehlt der Herzspezialist. Im Umgang mit den Patienten rät er zu Pragmatismus: "Wenn ein Kaffeetrinker unter Bluthochdruck leidet, verbiete ich nichts, sondern passe die Therapie einfach an seine Lebensgewohnheit an."

Dass Kaffee den Magen angreift und dann ein Geschwür hineinbohrt, gilt inzwischen ebenfalls als Märchen. Allerdings gibt es Untersuchungen, die bei Kaffeetrinkern ein leicht erhöhtes Risiko für Blasenkrebs und schwächere Knochen gefunden haben. Auch leiden manche verstärkt unter Schlafstörungen. Das Gefährlichste am Kaffee aber sind die Zigaretten, die oft als Begleitfaktor dazukommen. "Viele nutzen die Kaffeepause als Vorwand zum Rauchen", sagt Wilhelm Vetter, Leiter der Abteilung für Innere Medizin des Universitätsspitals Zürich. "Erst dann wird das Kaffeetrinken zum Gesundheitsproblem."