Am Schluss wird ein Terroristenoberhaupt mitsamt Jacht in die Luft gejagt, obwohl wir nicht erfahren, wen es da eigentlich genau erwischt hat. Spielt auch keine Rolle - wie hatte UN-Botschafter Sir Jeremy Greenstock so treffend formuliert: "Wenn jemand aussieht wie ein Terrorist, Lärm macht wie ein Terrorist, dann ist er auch meistens ein Terrorist." Schwierig wird diese Logik spätestens, wenn die Bekämpfer des Terrorismus genauso viel "Lärm" machen wie der erklärte Feind. In Dominic Senas Pass-wort Swordfish entpuppt sich der Schurke Gabriel (John Travolta) als Mitglied der Geheimorganisation Black Cell, die vom FBI-Boss J. Edgar Hoover in den Fünfzigern als nationale Verteidigungsfront gegründet worden war. Ihr Rezept gegen Terroristen ist die zehnfache Vergeltung jedes Anschlags. Nichts Geringeres als die Verteidigung Amerikas motiviert damit Gabriels Supercoup, geheime Drogengeldkonten der US-Regierung zu plündern und zu diesem Zweck den "zweitbesten Hacker der Welt" (Hugh Jackman) zu verpflichten. Wenn dafür Polizisten und Zivilbevölkerung bei einer Explosion in L. A. ihr Leben lassen müssen, stört das Gabriel nicht weiter - sein Publikum aber könnte angesichts des realen "Terrorkriegs" ins Grübeln kommen. Im Zeitpunkt seines Erscheinens liegt das Verstörungspontenzial dieses komplett mies inszenierten Films. Passwort Swordfish durchbricht die kanonischen Verkündungen Hollywoods nach dem 11. September, mit "patriotischer Haltung" Terrorismus-Thriller wie Schwarzeneggers Collateral Damage zurückzuziehen. Passwort Swordfish bombardiert das Bild von der einheitlichen Haltung Hollywoods. Das Beste an diesem Film ist, dass es ihn eigentlich gar nicht geben sollte.

Ein Schiff läuft vom Stapel, und das Heck ähnelt, wie später auffällt, der Nase des Mannes, um den es geht. Hart und siegesgewiss erscheint es im Vergleich zum weichen, schwer wogenden Meer. Hart gegen weich. Wie das Harte das Weiche unterkriegt, wie ein Mann seine Frau untergehen ließ, das erzählt Karin Jurschik in Danach hätte es schön sein müssen. Der Mann ist heute ein Greis, er hält sich wie eine Eins. "Zäh", sagt die Regisseurin dazu. Der Mann ist ihr Vater. Nennt sie ihn so? Nein, sie spricht über ihn als den "Mann". Dokumentaristen stellen ihre Kamera ja gern auf Kuba oder sonstwo auf, nur nicht bei sich. Aber Jurschik erzählt die eigene Familiengeschichte, eine Geschichte aus Deutschland. Der Mann, die Frau, das Kind. Der Mann war schon immer ein sehr gerader Typ, Maschinen, Motoren und technische Abläufe sind seine Sache - ein Ingenieur. Den Krieg, den er manier-lich hinter sich gebracht hat, erlebt die Frau als Mädchen, oft stellt sie sich tot. Danach ist sie auch innerlich ausgebombt. Sie fällt dem weitaus älteren Mann zu, vor sich ein Leben als Hausfrau. Jurschik zeigt rohes Fleisch auf einem Goldrandteller. Jurschik ist "das Kind", das alles sieht: die Migräneanfälle der Mutter, die Haltung des Mannes, dessen Selbstgerechtigkeit. Sein Wesen könnte die Frau, die er bestimmt nicht aus Liebe geheiratet hat, in den Selbstmord getrieben haben. "Ich hab ihr ja kein Bein gestellt", sagt er. Doch, sagt der Film. Er sagt es mit offenkundigen Anklageabsichten des immer noch leidenden "Kindes". Er sagt es aber auch mit Sinn für das stille Erzählen. Am Ende schubst eine Meereswelle den alten Mann um. Er kommt und kommt nicht hoch. Er zögert lange, die Hilfe eines Mädchens anzunehmen.