Ein jüdisches Leben, erzählt, wie Marc Chagall gemalt hat: Ungarn in den ersten 20 Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die Bauern, der Pfarrer, die Kosaken und am Dorfrand die Juden und ihr Rabbiner mit seiner Familie, ein Kabbalist, der die Öffentlichkeit meidet aus der Erfahrung heraus, mit seiner Klugheit und Ausstrahlung Neid bei den christlichen Autoritäten zu wecken. Zwei, drei Tage ohne Essen sind seinen zwei Töchtern und dem jüngsten Sohn David vertraut. Die Mutter, in der Familie zärtlich geliebt, von den Nachbarinnen ihrer Güte wegen verehrt, ernährt die Familie mit schwerer Haus- und Feldarbeit. Im Zentrum dieses Buches geht es um eine Vater-Sohn-Geschichte. Was dem Vater verwehrt war, das begehrt sein nicht minder hoch begabter Sohn: die Liebe und Bewunderung der Menschen, denen er so viel zu geben hat, vor allem mit seinem Gesang. Der Orientexpress, der wie eine zischende Schlange durch das stille Land saust, reißt in David die Sehnsucht auf nach der Welt, und der Vater treibt den Achtjährigen über die Schwelle hinaus. Natürlich kehrt sein Sohn immer wieder zu ihm zurück, immer ein wenig reifer und anders geworden, und immer empfängt er schwere Schläge auf seinen Rücken. Bis der Vater begreift, dass sein Sohn ein Kämpfer ist, der ein Spanien-Kämpfer wurde gegen den Faschismus und ein Opernsänger in den weltlichen Tempeln des Belcanto. Nach den Aufzeichnungen ihres Vaters David Victor hat Paloma Tulman dieses Buch geschrieben.

David Victor/Paloma Tulman: Mit der Kraft zu lieben; Lindemanns Bibliothek im Info Verlag, Karlsruhe 2000; 406 S., 45,- DM