Im Jahre 1967 ging die Art Cologne als erste internationale Messe an den Start, jetzt glaubt sie sich bei ihrer 35. Wiederkehr (31. 10.-4. 11.) am Ziel und hat sich selbst zum art pole of the world erklärt. Die Verdienste des 1967 gegründeten Kölner Kunstmarktes sind unbestritten, haben andererseits weltweit für Zugzwang gesorgt und einen den Globus umspannenden Wettlauf von Kunstmessen über Basel, Chicago, Madrid, Paris bis Moskau und Miami.

Und reihum herrscht überall das gleiche Dilemma zwischen verpflichtender Marktpräsenz und dem ermüdenden Massenbetrieb. Der Überfluss ausgestellter Exponate - immerhin 270 Galerien aus 20 Ländern sind dieses Jahr in Köln vertreten - bringt selbst Profis an den Rand der Aufnahmefähigkeit und in nicht wenigen Fällen zum Zweifel am Sinn der Sache. "Regelrechter Berufsekel" befiel den früher so erfolgreich im Getriebe operierenden Galeristen Paul Maenz bei seinen Messeteilnahmen. Er hat sich schon vor Jahren aus dem Geschäft verabschiedet und beobachtet das Markttreiben am Rhein nun von der Berliner Warte aus.

Er hat, wie viele andere in der Kunstwelt, den der Formel-1-Sprache entnommenen Kunst(mono)polanspruch am Rhein amüsiert zur Kenntnis genommen und rät: "gleich in Watte packen". Wie andere in die Bundeshauptstadt abgewanderte Kunsthändler ist er aber auf Köln nicht schlecht zu sprechen. Im guten Mittelfeld zwischen dem fast musealen Messegeschehen in Basel und dem aufstrebenden Berlin siedelt er die Art Cologne an, "die weiterhin eine Tradition pflegt, aus der wir schließlich alle herkommen".

"Zu groß" kommentiert die in München ansässige Sammlerin Ingvild Goetz Kunstmessen im Allgemeinen. Sie "fühlt sich regelmäßig von dem Überangebot erschlagen", dabei sei sie es "ja seit 40 Jahren gewohnt, viel anzuschauen". Diesen Herbst wird sie allerdings den einen oder anderen Stand in Köln besuchen, schließlich wird sie als Vermittlerin moderner Kunst mit dem Art-Cologne-Preis ausgezeichnet, der jetzt zum elften Mal vergeben wird.

Ob sie ihren Traum von einer "reinen Informationsmesse als Galerienlandschaft mit ausführlichen Statements zu Positionen einzelner junger Künstler" dort verwirklicht findet, darf indes stark bezweifelt werden. Der Spagat zwischen Kunstvermittlung und Verkaufszwang bei einer Grundmiete von rund 180 Euro pro Quadratmeter Messestand ist nicht leicht zu bewältigen, Anreise, Transporte, Unterkunft und Bewirtung von Kunden kommen hinzu. Bis zu 100 000 Mark investieren große Galerien in ihren Messeauftritt - und das mehrfach im Jahr. Dabei ist die Kauflust absolut unberechenbar und nicht nur von der Konjunktur oder erschütternden Weltereignissen abhängig.

17 jungen Galerien, davon zwei von insgesamt zehn Ausstellern aus New York, erleichtert die Unterstützung der Stiftung Kultur der Kölner Stadtsparkasse die Teilnahme an der Messe. En bloc können sich die Besucher von der jurierten Auswahl aktueller Kunst in der direkten Nachbarschaft von 35 geförderten Kojen junger Künstler informieren.

Das erstmals und im Sinne vieler ausländischer Aussteller auf fünf Tage geraffte Messegeschehen ist eingebettet in ein Köln- Gesamtkunstwerk. 62 Galerien, 17 Museen und 11 andere Ausstellungsorte offerieren am Wochenende vom 2. und 3. November verlängerte Öffnungszeiten, laden zu Vernissagen und Preisverleihungen, um die Vitalität der Szene bis in die späten Abendstunden hinein zu behaupten.