Falschzähler

Seit zwei Wochen gibt es Erhärtungen für das Gerücht, dass deutsche Verlage ihre Auflagenzahlen nach oben manipulieren. Die Mär sagt, dass sie angeben, mehr Käufer zu haben, als es tatsächlich sind, um höhere Preise für Werbeanzeigen verlangen zu können. Dingfest gemacht wurden die Vereinigten Motor-Verlage in Stuttgart. Dem Kontrollverein IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.), dem Unternehmen, Verlage und Agenturen angehören, meldete die Motor-Presse mindestens in drei Quartalen falsche Auflagenzahlen für die Titel »Audio«, »Video« und »Stereoplay«. So weit der Hintergrund. Die Folgen dieser Enthüllung sind kaum abzusehen. Wird die harte Währung Auflagenzahlen an Wert und Vertrauen verlieren, weil sich herausstellt, dass sie, unüberprüfbar, einfach nachgedruckt wird? War die Täuschung der Motor-Presse ein seltener Einzelfall? Michael Schallmeyer, Geschäftsführer der IVW, würde die Frage gern mit Sicherheit beantworten - allein um keinen Zweifel an der Kompetenz der IVW aufkommen zu lassen. Doch er kann nicht. »Wenn mit zielgerichteter Energie Auflagen manipuliert werden, kriegen wir das erst einmal nicht heraus.« Die IVW kann die Einsicht in Verlagsinterna nicht erzwingen. Obwohl bisher »nur« Konsumzeitschriften beim Schummeln erwischt worden sind, hat sich in Zeiten der Rezession der Druck der Anzeigenkunden auf die Verlage bereits verstärkt. Das wäre vielleicht nicht passiert, wenn es vorher mehr Druck gegeben hätte: vonseiten einer starken, unabhängigen Kontrollinstanz.

Peter Littger