Der müde Flaneur drückt die »FIND«-Taste und die Option »FOOD&DRINK« - um sich von dem Gerät ins nächste Café dirigieren zu lassen. Die Sache hat nur einen Haken: Da eMap nicht ausdrücklich ein Gerät für Fußgänger ist, schlägt es auch Gaststätten vor, die bis zu zwei Kilometer entfernt liegen.

Daher ist es besser, erst einmal unter »GO TO« den Ausgangspunkt des Spaziergangs einzugeben. Auf dem kleinen Bildschirm von etwa fünf mal fünf Zentimetern zeigt ein Pfeil die eigene Position an. Rundherum verlaufen schwarze Linien: kleinere und größere Straßen. Gewässer sind in einem Grauton eingezeichnet, Eisenbahnschienen durch eine Linie mit Querstrichen. Ungefähr fünf Straßennamen passen gleichzeitig auf den Schirm. Und irgendwo dazwischen verläuft eine schwarz-weiße Linie, die querfeldein die Richtung für den Weg vorgibt. Über der Karte steht die dazugehörige Himmelsrichtung: NW.

Die Feld- und Wiesentechnik hat Vorteile. Etwa in einer Stadt wie Berlin, wo ständig wandernde Baustellen sich auch auf den Straßenverlauf auswirken. Ein Beispiel: Das Jüdische Museum in der Kreuzberger Lindenstraße ist das Ziel. Am Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße zeigt das Gerät in Richtung Südosten. Los geht's, die Kochstraße runter. Der Richtungspfeil empfiehlt an der ersten Kreuzung rechts abzubiegen, dann gleich wieder links, wo einmal eine Straße war. Jetzt ist es eine Firmenzufahrt mit Parkplatz und in keinem Stadtplan mehr eingezeichnet. Außer in dem Navigationsgerät, dessen Richtungsweiser genau hier entlangführt. Tatsächlich stellt sich dieser namenlose Weg als die kürzeste Verbindung heraus. Jetzt nur noch an den parkenden Autos vorbeigeschlängelt, über ein paar Betonblöcke geklettert, schon ist man auf der Markgrafenstraße, die direkt auf den Libeskind-Neubau zuführt.

Die Technik, die sich das Gerät zunutze macht, ist das Global Positioning System (GPS). 24 GPS-Satelliten umkreisen die Erde, immer drei müssen in Reichweite sein, damit das Gerät seine Position errechnen und die Richtung weisen kann. Allerdings kennt es anders als der Navigationscomputer im Auto keine Hindernisse: So werden Häuser, Flüsse oder Einbahnstraßen einfach ignoriert. Stur weist eMap immer die Luftlinie zum Ziel. Den kürzesten gangbaren Weg dorthin muss der Benutzer selber finden.

Dass das High-Tech-Gerät eine Querbeetroute vorgibt, erklärt sich aus seiner Entwicklungsgeschichte: Die ersten dieser tragbaren Navigationshilfen wurden für den Gebrauch in freier Natur hergestellt. In einer Wildnis ohne Orientierungspunkte kann man die Koordinaten des Zielpunkts eintragen und verliert die Richtung nicht mehr aus dem Blick. So ähnlich bewegt man sich mit eMap auch durch die zivilisierte Welt.

Was auf Expeditionen nützt, kann auch in der Stadt hilfreich sein. Zwar hängt hier kein Leben davon ab, das Basiscamp vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Doch ohne langes Herumirren an den Ort zurückzukehren, wo das Auto geparkt steht, ist auch was wert. Man darf nur nicht vergessen, vorher den Parkplatz als einen Wegpunkt zu speichern.

U-Bahn-Stationen dagegen fehlen auf den Plänen. Das mag daran liegen, dass das Navigationsgerät unter der Erde ohnehin keinen Satellitenfunk empfängt. Doch sind sie erst einmal wieder auf der Straße, können U-Bahnfahrer die Position der Station speichern, an der sie ausgestiegen sind, um sich später dorthin wieder zurückführen zu lassen.