Nein. Selbst wenn es die monströsen Verbrechen in New York und Washington und die anhaltende Bedrohung durch Milzbranderreger nicht gegeben hätte, wäre die Idee abwegig. Zwar hat das Platzen der größten psychotischen Aktienblase der Weltgeschichte tiefe Enttäuschungen, große Verluste und eine fast weltweite Rezession ausgelöst. Zwar werden die Wachstumsrückschläge der Industriestaaten in den Jahren 2001 und 2002 ähnlich hart sein, wie wir es schon einmal in der Mitte der siebziger und abermals zu Beginn der achtziger Jahre als Folge der beiden Ölpreisexplosionen erlebt haben. Aber ähnlich wie damals bliebe ein forciertes deutsches deficit spending nahezu ergebnislos.

Damals waren es vornehmlich amerikanische Professoren (und der US-Präsident), die von der deutschen Regierung (und von den Japanern) verlangten, für die Weltwirtschaft als "Lokomotive" zu agieren. Heute erschallt der gleiche Ruf: Der Staat soll weniger einnehmen und zugleich mehr ausgeben. Sogar einige Industrielle und Banker, die noch vor kurzem zu Recht nach einer Senkung der Staatsquote gerufen hatten und in der Zwischenzeit durch fast schamlose Selbstbereicherung hervorgetreten sind, glauben nun an die nationale Lenkbarkeit der Konjunktur. Das ist genauso wenig überzeugend wie die Vorstellungen der Institutsprofessoren, die noch im Rahmen von Karl Schillers Gesetz über Stabilität und Wachstum gefangen sind, ohne Deutschlands heute sehr viel weitergreifende außenwirtschaftliche Verflechtung zu bedenken.

Gegenwärtig ist eine Erholung der Weltwirtschaft im Laufe des kommenden Jahres sehr viel wahrscheinlicher als ein weltweiter Absturz. Es gibt weder Grund für Alarm noch für Pessimismus. Es gibt auch keinen ausreichenden Grund, willentlich den Stabilitätspakt der zwölf Euro-Staaten zu verletzen und mit schlechtem Beispiel auch in Italien, Frankreich oder anderen EU-Ländern erneut die Staatsverschuldung anzuheizen, für die wir später teuer bezahlen müssten. Die anhaltende Misere Japans sollte uns ein Menetekel sein. Aber auch Bush bietet kein positives Beispiel. Anders als Euroland verfügen die USA über hohe Staatsüberschüsse. Schon vor den terroristischen Angriffen war der jetzt angekündigte Abbau der amerikanischen Etatüberschüsse notwendig und beabsichtigt.

Die Möglichkeit ist leider nicht völlig auszuschließen, dass sich das weltpolitische Szenario noch erheblich verschlechtert. Denn der islamische Terrorismus ist eine Hydra mit vielen Köpfen. Selbst dann, wenn es gelänge, Osama bin Laden oder Al-Qaida auszuschalten, könnte gleichwohl eine geografische Ausweitung der Kampfhandlungen auf andere Länder dazu führen, dass eine Reihe islamischer Staaten die Antiterrorismuskoalition verlässt, dass Öl- und Gaspreise nach oben schießen - und dass im Ergebnis ein Absinken des Zukunftsvertrauens von Konsumenten und Investoren eine globale Depression auslöst. Die Gefahr einer solchen Krise ist gering, sosehr bin Laden sie herbeiwünschen mag. Jedoch wäre es töricht, sie gänzlich auszuschließen. Deshalb ist es klug, wenn Eichel, Schröder und ganz Euroland für diesen Fall ihr Pulver trocken halten. Wenn es je zur akuten Gefahr einer globalen Krise käme, wäre gemeinsames Handeln aller Weltmächte und der EU geboten - und keineswegs bloß ein kleines deutsches Konjunkturprogramm.

Was also können oder sollten die Deutschen heute tun? Die Antwort ist einfach: deregulieren! Diese Antwort ist schon längst geboten - nämlich seit Helmut Kohl de facto fünf Millionen Arbeitslose hinterlassen hat.