Krieg und Wirtschaft in der Krise, die Nato ist schon tot

Heute ist Halloween und der Mond sieht ziemlich voll aus. Auch die Regale der Supermärkte sind prall gefüllt mit allerlei lustigen Schoko-Fratzen, und der Handel freut sich nach Ostern und vor Weihnachten sicher auf ganz neue grauenhaft-gute Umsätze. Das ist in Zeiten des Krieges ein sanfter Hoffnungsschimmer - wo doch die Konjunktur allenthalben lahmt.

"US-Verbraucher sind noch pessimistischer als befürchtet", meint nämlich das "Handelsblatt", dessen Kommentator Torsten Riecke ein "Klima der Angst" ausgemacht hat: "Der private Verbrauch generiert etwa zwei Drittel aller Güter und Dienstleistungen in den USA. Wenn dieser Pfeiler einknickt - und darauf deutet das düstere Konsumklima hin -, ist eine Rezession unvermeidlich. Die Wirtschaft ist vermutlich im dritten Quartal bereits geschrumpft. Experten erwarten ein Minus von einem Prozent, wenn die Regierung heute die Zahlen für das Bruttoinlandsprodukt bekannt gibt. Bis Jahresende wird sich die Lage kaum bessern. Die drastischen Zinssenkungen der Notenbank und das Konjunkturpaket der Regierung können frühestens in der zweiten Hälfte 2002 für eine Trendwende sorgen. Vorausgesetzt, die Amerikaner werden nicht durch neue Anschläge weiter verunsichert."

Das werden sie leider schon durch deren bloße Androhung, und auch unsereinem sitzt die Angst weiter im Nacken. "Weltweite Warnung vor neuen Terroranschlägen", titelt "Die Welt", und "Bild" weiß es bereits ganz genau: "Neues Attentat droht!" - womöglich gar mit einer "Koffer-Atombombe". Trotz oder wegen ausbleibender militärischer US-Erfolge im Krieg in Afghanistan ist Durchhalten bei den meisten Zeitungen angesagt: "Zu Boden gedrängt" meint Malte Lehming im "Tagesspiegel": "Im Kampf gegen den Terror ist ein Datum von besonderer Bedeutung: der Beginn des Ramadan Mitte November. Inständig hoffen die amerikanischen Militärstrategen, den Krieg in Afghanistan vor dem heiligen moslemischen Fastenmonat beendet zu haben. Gemeint ist allerdings nicht Ramadan 2001, sondern Ramadan 2002. An ein schnelles Ende der 'Operation dauerhafte Freiheit' glaubt niemand".

Umso erstaunlicher die Titelzeile der "Frankfurter Allgemeine": "Washington und London unter Erfolgsdruck: 'Feuerpause wird ernsthaft erwogen'" heißt es da, und Günter Nonnenmacher überschreibt seinen Leitartikel mit "Krieg in der Krise": "Der militärische Erfolg würde neue politische Bedingungen schaffen. (...) Mit großzügiger humanitärer Hilfe des Westens - nicht nur für Afghanistan, auch in Pakistan - könnten die Kriegsbilder in den Hintergrund gedrängt werden. (...) Eine Ausweitung des Krieges, beispielsweise auf den Irak, könnte dagegen eine Kettenreaktion in Gang setzen, die durch die ganze islamische Welt liefe - mit Konsequenzen, die dann womöglich nicht mehr zu beherrschen wären."

Außergewöhnlich hart ins Gericht mit der Nato geht Martin Winter in seinem Kommentar "Tod einer Allianz" in der "Frankfurter Rundschau": "Die Nato ist tot, sie weiß es nur noch nicht. Was ihren Gegnern nicht gelang, erledigen die Terroranschläge vom 11. September. (...) Die gegenwärtige Krise, die die große Stunde der Allianz hätte sein müssen, degradiert die Nato zur bloßen Statistin. (...) Das hat sachlich nachvollziehbare Gründe und belegt darum vor allem eins: Die Nato ist den Herausforderungen dieser Zeit nicht gewachsen. Es überrascht, dass die meisten Regierungen davon überrascht wurden."

Bei rot stehen, bei grüngelb gehen?