Eine ähnlich prominente, wenn auch weniger beglückende Beziehung, deutet sich in der CDU/CSU-Spitze an. Aus dem Zweikampf um die Position des Kanzlerkandidaten der Union ist nun ein Dreikampf geworden. Der CSU-Landesgruppenvorsitzende Glos hat für einigen Wirbel gesorgt, als er am Mittwoch bekräftigte, der frühere CDU-Vorsitzende Schäuble sei für ihn ein denkbarer Kanzlerkandidat im nächsten Jahr. "Warum nicht Schäuble?", fragt der "Tagesspiegel" in seinem Aufmacher. Schäuble selber hielt sich zurück und gab keine Auskunft darüber, ob er zu einer Kandidatur bereit sei, sagte aber auch, dass die Nachrichten von seinem politischen Ableben übertrieben seien. "Fragen an Schäuble - Zweideutige Antworten", fasst die "Frankfurter Allgemeine" den Diskussionsstand zusammen. Der Korruptionsfall bei der Deutschen Bahn rutscht in dem Blatt an die zweite Stelle. Drei Manager, die in geschäftlichem Kontakt zur Deutschen Bahn AG standen sind am Dienstag unter dem Vorwurf der Korruption verhaftet worden.

Die Warnungen vor neuen Terroranschlägen in den USA beschäftigen die "Frankfurter Rundschau" auf der Eins. "USA sperren Luftraum über AKW" vermeldet die Zeitung. Die "Welt" ergänzt, dass auch rund um das Yankee Stadium in New York ein Flugverbot erlassen wurde. Denn dort hat George W. Bush mit dem ersten Pitch die Endspielserie der Baseball-Meisterschaft eröffnet, bewacht von 2000 Polizisten.

Weniger testosteronhaltig geht es bei der "tageszeitung" zu. Der UN-Entwicklungsfond für Frauen (Unifem) fordert, Frauen an friedensbildenden Prozessen zu beteiligen. "Den Frauen eine Stimme", titelt das Blatt. Neue Schreckensmeldungen aus der Wirtschaft hingegen im "Handelsblatt": "Deutsche Bank streicht jeden zehnten Arbeitsplatz".

Der Kandidatur-Reigen

Edmund Stoiber oder Angela Merkel? Bis jetzt war das die Frage in der Diskussion um die künftigen Kanzlerkandidaten der CDU. Seit gestern ist auch Wolfgang Schäuble öffentlich im Gespräch. Der ehemalige CDU-Vorsitzende wird in den nächsten Tagen vermutlich juristisch von der Spendenaffäre rehabilitiert und steht dann auch wieder politisch voll zur Verfügung. Alle Zeitungen sind überzeugt, dass nicht nur sachliche Gründe bei der Erwähnung von Schäuble eine Rolle spielen. Vor allem die CSU macht sich derzeit für Schäuble stark. Das deute darauf hin, dass sie intern auf einen Kuhhandel mit Schäuble hoffe, meint Johann Michael Möller in der "Welt". "Sollte Stoiber doch noch die Hand nach der Kandidatur ausstrecken, könnte ihm Schäuble die CDU organisieren und sich im Gegenzug dafür mit dem Fraktionsvorsitz belohnen lassen. Dort aber sitzt Friedrich Merz und hofft seinerseits, in Schäuble einen Verbündeten gegen Angela Merkel zu bekommen."

Das "Handelsblatt" vermutet eher, dass Schäuble dem zaudernden CSU-Chef Stoiber eine Möglichkeit böte, sich ehrenvoll zurückzuziehen. Wenn er die Spitzenkandidatur einfach ablehne, stünde er als Drückeberger da. "Einem Schäuble dagegen könnte er das Feld überlassen, weil dieser bei den Christsozialen - anders als Merkel - als gleichwertiger Partner angesehen wird." Letztendlich schade die ganze Diskussion um Schäuble vor allem Angela Merkel. Sie müsse zum Verzicht gezwungen werden, "mit unabsehbaren Folgen für das Image der CDU. Dass sie freiwillig ins Glied tritt, ist nicht zu erwarten."

Doch Merkel habe schon vorher schlecht dagestanden, meint die "Frankfurter Rundschau". Ihr Chancen gälten als gering. "So gering, dass sie selbst schon das letzte Argument verschießen musste: Die CDU, sagte sie nur wenig verblümt, dürfe sich von der kleineren CSU nicht majorisieren lassen."