Der Präsident des Bundesarchivs, Hartmut Weber schreibt: "Der Fall der Aktenvernichtung im Kanzleramt von Helmut Kohl erreicht eine für Archivare bislang unvorstellbare Qualität." Eigentlich sei ein Regierungswechsel wie im Herbst 1998 der demokratische Normalfall, so Weber. "Doch damals wurde er offenbar als eine ‚feindliche Übernahme' angesehen." Die Löschaktion "verstieß gegen geltende Rechts- und Verwaltungsvorschriften." Denn nach diesen Gesetzen, so Weber, musste "der Stand einer Sache jederzeit aus den Akten vollständig ersichtlich sein".

"Im Ergebnis", so Weber, "schädigt die bewusste Beseitigung der Dokumentation von Regierungs- und Verwaltungshandeln in erster Linie den Rechtsstaat und seine Glaubwürdigkeit."

DIE ZEIT hatte im Juli 2000 unter dem Titel "Operation Löschtaste" über die Vernichtung von Daten und Akten im Bundeskanzleramt von Helmut Kohl berichtet. Dabei zitierte sie aus dem Abschlussbericht des Sonderermittlers Burkhard Hirsch. Drei ZEIT-Redakteure sitzen dafür jetzt auf der Anklagebank. Der Vorwurf: "Amtliche Schriftstücke eines Strafverfahrens ... im Wortlaut" vor einer öffentlichen Verhandlung publik gemacht zu haben. Am Freitag wird die Verhandlung vor dem Amtsgericht Hamburg Mitte fortgeführt.


Taiwan befürchtet, zu einer "Karte im Verhandlungsspiel" zu werden. In einem Exklusiv-Interview sagt Taiwans Staatschef Chen Shui-bian, er sorge sich, dass sein Land im Zuge der amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit in der Anti-Terror-Koalition isoliert werden könne.

Vor 30 Jahren war Taiwan schon einmal einer Koalition der Vereinigten Staaten, Chinas und Pakistans - damals gegen die Sowjetunion - zum Opfer gefallen. Heute habe China sein Land "bereits auf eine Stufe" mit den "so genannten Separatisten in der westchinesischen Provinz Xinjiang" gestellt, sagt Chen. Seine Beunruhigung erkläre sich daher, dass Peking die "Separatisten" von Xinjiang mit "Terroristen" gleichsetze.

Gleichwohl betont Taiwans erster demokratisch gewählter Präsident, werde sein Land "ein Demokratiemodell für alle Chinesen auf der Welt" bleiben. Chen weigerte sich überdies, "asiatische Werte" anzuerkennen. "Die Ablehnung universeller Werte im Namen asiatischer Werte ist nur ein Trick, der einigen Herrschern zum Machterhalt dient."