Nur aus der deutschen Wiedervereinigung tauche zwei Beispiele auf: Kurt Biedenkopf, der nie Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen geworden war, und Bernhard Vogel, der im Zorn als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz geschieden war - "Gott segne Rheinland-Pfalz", rief er damals merkwürdigerweise aus. Und merkwürdigerweise wurden beide doch noch und doch wieder - für lange Jahre - erfolgreiche Ministerpräsidenten, in Sachsen der eine, der andere in Thüringen. Aber sonst?

Nun aber reden alle von einem Comeback für Wolfgang Schäuble. Ich werde dazu gleich eine sarkastische Anmerkung machen - aber damit die nicht falsch verstanden wird, einige Bemerkungen vorweg:

Ganz ohne Zweifel ist Wolfgang Schäuble eine der großen und ernsthaften politischen Begabungen nicht nur in der Union, sondern auch im Lande. Dass die CDU diesen Mann in ihrem Generationswechsel regelrecht verheizt hat (und das fing schon unter der Kanzlerschaft und unter dem Parteivorsitz von Helmut Kohl an - und setzte sich unter Mitwirkung von Helmut Kohl hernach tüchtig fort), gehört zu den Absonderlichkeiten des politischen Prozesses. Zu den tragischen Seiten gehört es allerdings, dass sich Schäuble in der Parteispenden-Affäre auch durch eigene Schuld in eine bestimmte Schieflage gebracht hat. Und selbst wenn die Berliner Staatsanwaltschaft nun ein Ermittlungsverfahren gegen Schäuble endlich einstellt - die Widersprüche zwischen dem einstmaligen CDU-Vorsitzenden Schäuble und seiner Schatzmeisterin Baumeister sind ja immer noch nicht ausgeräumt. Merkwürdig…

Aber gut, der Staatsanwalt klappt den Aktendeckel zu - und nun kann das Comeback beginnen? Ich zweifle noch - zumindest an den Motiven derer, die so eifrig darüber reden. (Übrigens gehört auch dies zu den Merkwürdigkeiten der Politik: dass ganz aufrichtige und ganz hinterfotzige Motive sich bruchlos miteinander mischen können - zum Beispiel in diesem Fall.) Michael Glos, der Landesgruppenchef der CSU im Bundestag ist gewiss aufrichtig davon überzeugt, dass Schäuble Unrecht geschehen ist, das wieder gutgemacht werden muss - und davon, dass Schäuble zu den Potenzen der Union gehört. Abgemacht! Aber nun zum Kapitel Hinterfotzigkeit: Der Druck auf Edmund Stoiber, anstelle von Angela Merkel als Kanzlerkandidat anzutreten wächst - was aber, wenn auch die Einsicht wachsen sollte, dass er nicht gewinnen und Frau Merkel nur fürchterlich verlieren kann, dass Stoiber als Alternativer zu Merkel also nur den Dienst tun kann, die Union insgesamt (und damit auch die CDU) vor dem totalen Absturz zu retten? Und was, wenn Stoiber dann doch als bayerischer Ministerpräsident Schaden nähme, ohne je Kanzler zu werden - nur weil die CDU nicht einen besseren Zählkandidaten aus den eigenen Reihen aufbieten konnte?

Und schon begreift der Beobachter: Wenn die Union schon nicht gewinnen, warum soll sie dann nicht Wolfgang Schäuble in die Wahl schicken? Er würde vielleicht besser abschneiden als Angela Merkel, vielleicht sogar so gut wie (oder besser als) Stoiber - aber Stoiber bliebe wenigstens für Bayern strahlend unbeschädigt und müsste sich in der Gesamt-Union nicht vorhalten lassen, er habe sich geweigert, das unter Angela Merkel drohende Fiasko abzuwenden. Und Schäuble - ja, der wäre ein weiteres Mal politisch verheizt worden.

Kommentare und Anregungen sind herzlich willkommen: leicht@zeit.de