Eine zweite Merkwürdigkeit: Die Bundeswehr wurde ursprünglich nicht angefordert, selbst der Verteidigungsminister schien nicht recht zu wissen, was er dazu sagen oder nicht sagen sollte. Dass die Bundeswehr jetzt in einem Augenblick angefordert wird, in dem in den USA selber (und selbst in der Regierung in Washington) Zweifel an Strategie und Chancen artikuliert werden, kann jetzt die Sorge auslösen, die Bundeswehr müsse anrücken, weil und nachdem da einiges nicht so erfolgreich gelaufen ist - obwohl es, umgekehrt, auch so sein kann, dass der jetzt anstehende Zeitpunkt ihres Einsatzes eher eine Folge des "erfolgreichen" Fortgangs der ersten Schritte ist.

Weiß man's? Der Umgang mit diesen merkwürdigen Emotionen hängt davon ab, ob die öffentlichen und parlamentarischen Diskussionen auf der Grundlage solider und ehrlicher Informationen stattfinden können; abzüglich der "branchenüblichen" echten Militärgeheimnisse. Weniges wäre nämlich politisch und psychologisch brisanter als das Wissen - über das eigene Nicht-Wissen. Es geht nämlich nicht nur um ein Bündnis zwischen Staaten, sondern auch um das Bündnis zwischen Bürger und Staat. Das eine funktioniert nicht ohne das andere.

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