Es ist ein übler Wind, der niemandem Gutes zubläst, besagt ein englisches Sprichwort. In diesem Sinne zählt Rudolf Scharping zu den Krisengewinnlern nach dem 11. September. Nicht nur, dass auf einmal kaum noch jemand über seinen amourösen Exibitionismus sprach oder schrieb. Nein: In der ernsten Lage nach den Terrorangriffen auf New York und Washington ist es ihm endlich gelungen, für die Bundeswehr jene Milliarden zu sichern, ohne die das Gelingen der Bundeswehrreform gefährdet wäre.

Der Verteidigungsminister erhält von nun an 1,5 Milliarden mehr in seine Kasse - und nicht bloß einmalig, sondern Jahr für Jahr, auch über die Laufzeit der jetzigen mittelfristigen Finanzplanung hinaus. Ganz offensichtlich hat die Terror-Krise Kanzler, Finanzminister und Verteidigungsminister in einen neuen Konsens hineingezwungen: Bekenntnisse zu Solidarität reichen nicht aus, sie müssen finanziell unterfüttert werden, um glaubhaft zu sein.

Zugleich zeichnet sich ein Konsens zwischen Scharping und Eichel für die Privatisierung oder Rationalisierung der für die Bundeswehr unentbehrlichen Diensleistungen ab: beim Management der Fahrzeugflotten und Liegenschaften, bei der Neustrukturierung des Logistikwesens und der effizienteren Bewirtschaftung der Bekleidung. Sobald hier der Widerstand der Bedenkenträger innerhalb der Bundeswehr - zumal in der Heeresführung - ausgeräumt sind, können sich auf diesem Felde bis zum Jahre 2011 milliardenschwere Minderausgaben und Erlöse ergeben.

Vor drei Monaten schien die Reform der Bundeswehr auf gefährliche Klippen zuzutreiben. Die Krise hat grundlegenden Wandel geschaffen. Aus Lippenbekenntnissen können nun handfeste, krisenverwertbare Vorhaben werden.