Mein alter Traum war es, Filme für mich zu machen, und es war ein weiter Weg, diesen alten Traum zu beerdigen, es dauerte fast mein ganzes Leben lang. Doch er war Teil meiner Entwicklung, ohne den alten Traum wäre der neue Traum nicht möglich. Jetzt habe ich dafür genug Selbstvertrauen.

Ich träume davon, Menschen etwas zu geben, mit dem, was ich kann. Sie weiser zu machen. Ihnen Erfahrungen zu vermitteln, die mir wichtig sind, die sie ohne mich nicht gemacht hätten. Die es wert sind. Über die Liebe. Über das Leben. Über sich selbst. Diese Aufgabe ist mein Motor, meine Inspiration, ohne Ziel könnte ich nicht arbeiten. Denn mein Ziel kann ich nur durch meine Arbeit erreichen, als Filmemacherin. Dies ist mein Weg, mich auszudrücken.

Vielleicht war es der glücklichste Moment in meinem Leben, als ich das herausfand. Ich studierte aus Einfallslosigkeit Wirtschaftswissenschaften in Bochum, war auf der Suche und wusste nicht, wonach. Nebenbei drehte ich einen Kurzfilm. Der Auftrag von Heiner Müller. Ich fing einfach an, mit einer VHS-Kamera. Ich versammelte meine ganzen Freunde in einem Aufzug, das Licht habe ich mit einer Badezimmerlampe gemacht. Dann arbeiteten wir einen Tag lang sehr hart. Ich habe sie geschunden. Am Abend saß ich an der Schneidemaschine, das fand ich alles sehr kompliziert und sah, dass ich vergessen hatte, die Datumsanzeige auszublenden. Heute könnte ich so was wegretuschieren, damals bedeutete dieser Fehler das Aus für den Film.

Ich bin zusammengebrochen, aber gleichzeitig fühlte ich mich noch nie so frei. Ich konnte mir meine Ideen, meine Bilder, die ich im Kopf hatte, auf dem Fernseher wieder und wieder ansehen. Es war mir egal, warum das Filmemachen mein Medium war, mir waren die Zuschauer und deren Beurteilung egal. Es ging nur um mich.

Natürlich habe ich meine Freunde ein zweites Mal versammelt. So schnell gebe ich nicht auf. Sie haben mir fast die Freundschaft gekündigt. Mit der zweiten Fassung habe ich mich später an der Filmhochschule in München beworben und bin genommen worden.

Ich war immer ein Sender, ein Menschen-Mensch. Ich kann Leute mitziehen, das war schon so, als ich acht Jahre alt war. Damals habe ich meine Freunde gezwungen, den Text von dem Schlager Dschingis Khan auswendig zu lernen und die Auftritte der gleichnamigen Gruppe nachzuspielen. Ich bin total wütend geworden, wenn sich jemand den Text nicht merken konnte. Im Nachhinein war das wohl meine erste eigene Regie. Aber es war mir viele Jahre nicht bewusst, welche Bedeutung das Filmemachen für mich hat. Ich bin kein analytischer Mensch. Manchmal dauert es, bis sich ein Gefühl im Kopf bemerkbar macht.

An der Filmhochschule wurde dann dieses Gefühl zu meinem ersten Traum. Der Traum. Filmemachen. Und je schwieriger es wurde, desto mehr wollte ich es. Und es war schwierig. "Die Jopp, die hat zwar Talent, aber dreht immer so komische Sachen", hieß es. Sie hatten Recht. Ich habe einen Film gedreht, da springt am Ende ein Mädchen von der Brücke und ist tot. Das war wohl mehr Selbstfindung, das musste raus. Spätpubertär. Oder einen Film, da musste ein Mädchen immer kotzen, wenn es andere Leute sah. Deshalb lebte es auf dem Dach eines Hauses, um niemanden zu sehen. Dann zieht sich so ein Typ hoch mit einem Essenkorb, der ist geistig behindert, und die beiden befreunden sich. Das ist noch heute mein Lieblingskurzfilm. Die Geldgeber sahen das anders.