Scheuklappen hat der neue Mann für die Hamburger Wirtschaft nicht. Der CDU-Wirtschaftssenator Gunnar Uldall will an Erfolge zweier Sozialdemokaten anknüpfen: des ehemaligen Bürgermeisters Herbert Weichmann und des Chefs der Wirtschaftsbehörde, Helmuth Kern. Die beiden hätten in den sechziger und siebziger Jahren "für den Hamburger Hafen große Dinge geleistet", erklärt der Christdemokrat.

Sein Vorbild ist jedoch - parteipolitisch korrekt - Gerhard Stoltenberg, einst wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU und später in der Regierung Kohl bis 1989 Bundesfinanzminister. Der habe wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik in den achtziger Jahren beigetragen und "mit seiner klaren ordnungspolitischen Linie gezeigt, wie man Wirtschaftspolitik betreiben muss", sagt Uldall.

Der Ur-Hamburger, der in der Hansestadt geboren wurde und dort immer gelebt hat, war zuletzt wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im ganzen Land bekannt wurde der heute 60-Jährige, als er 1996 im Alleingang eine radikale Steuerreform vorschlug: einen Tarif mit nur drei Sätzen - 8, 18 und 28 Prozent - bei gleichzeitigem Streichen sämtlicher Sonderregelungen und Abzugsmöglichkeiten. Doch nicht nur vom politischen Gegner, auch von den Parteifreunden und dem damaligen Finanzminister Theo Waigel (CSU) wurde die Idee abgelehnt. Inzwischen ist jedoch in der CDU die Anhängerschaft des Uldall-Konzepts gewachsen. Mit größerem Erfolg setzte sich der CDU-Politiker, der seit 1983 dem Bundestag angehörte, auch für die Liberalisierung der Energiemärkte ein.

In seiner Freizeit joggt Uldall durch Hamburger Wälder und liest gern - am liebsten Thomas Mann. Von Beruf ist er Unternehmensberater. Gleich nach seinem Studium der Volkswirtschaft trat er in die Beratungsgesellschaft Mummert + Partner ein. 1971 machte er sich selbstständig. Die Uldall Unternehmensberatung, die nach seinen Worten in Norddeutschland die führende Stellung in der Beratung von Handels- und Dienstleistungsunternehmen hatte, gab er jedoch auf, als er in den Bundestag einzog und zu Mummert + Partner zurückkehrte. Diese Berufserfahrung sei für sein neues Amt "hilfreich, weil man als Berater einerseits von innen her die Sorgen und Nöte eines Unternehmens kennen lernt". Andererseits "erfährt man, wie man für Unternehmen Positives entwickeln und nach vorne bringen kann".

Als Wirtschaftssenator will er "den Standort Hamburg unbedingt nach vorne bringen" und zu einer Metropole für den ganzen Norden Europas machen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, für ein "weltoffenes, liberales Klima" zu sorgen. Dass er dabei mit dem Rechtsaußen Ronald Schill an einem Kabinettstisch sitzt, stört ihn nicht. "Bisher sind alle Skeptiker überrascht worden, wie konstruktiv und offen die Vertreter der Schill-Partei in den Koalitionsverhandlungen agierten."

In seiner Zuständigkeit für den Arbeitsmarkt, die jetzt der Wirtschaftsbehörde zugeordnet wurde, will er den Spielraum "voll ausnutzen", der auf Länderebenen besteht. Künftig sollen staatliche Beschäftigungsmaßnahmen eine geringere Rolle spielen. "Wir wollen nicht die Leute im zweiten Arbeitsmarkt festhalten", erklärt der Senator, "sondern sie sollen im ersten Arbeitsmarkt tätig sein." Dabei beklagt er, dass seine politischen Handlungsmöglichkeiten "im Wesentlichen durch Bundesgesetze eingeengt werden". Nicht zuletzt deshalb möchte er sich auch als Landespolitiker künftig "in der Bundespolitik engagieren und zu Wort melden".