Im größtem Einkaufs- und Freizeitzentrum des Landes stimmen sich die Ladeninhaber auf das Weihnachtsfest ein. Auf den Freiflächen des Centro in Oberhausen werden 125 Buden errichtet, die am 11. November ihre Luken öffnen. Es gibt Grund zur Hoffnung: In den vergangenen Wochen seien die Besucherzahlen konstant geblieben, heißt es bei der Betreibergesellschaft Centro Management GmbH. Durchschnittlich 70 000 Kunden kommen am Tag auf das ehemalige Thyssen-Gelände, um Geld auszugeben. "Wir spüren überhaupt nichts von einer Krise", sagt die Verkäuferin einer Filiale von Esprit, der Bekleidungskette für junge Mode. Sie dürfe eigentlich nichts sagen, aber so viel könne sie berichten: "Die Geschäfte laufen gut."

Im Centro erwarten die meisten Geschäftsinhaber ein gutes Weihnachtsgeschäft. Viele merken schon, dass die Leute verunsichert sind, aber bei ihnen zumindest kaufen sie noch. Das Verbrauchervertrauen ist in Deutschland bereits im Mai eingebrochen - und nicht erst nach dem 11. September. Geändert hat sich seitdem wenig.

Dabei müsste es ganz anders sein. Alle klagen. Unternehmen vieler Branchen bekommen weniger Aufträge - und erwarten, dass es noch schlimmer wird. Selbst das liebste Kind der Deutschen, das Auto, verkauft sich schlechter. Die großen Wirtschaftsinstitute sehen Deutschland am Rand der Rezession. Schuld sei der Verbraucher. Tatsache ist: Lagen die Konsumausgaben der Bundesbürger im ersten Halbjahr 2001 gut drei Prozent über dem Vorjahresniveau, erwarten die Institute laut ihrem Herbstgutachten für die zweite Jahreshälfte nur noch ein Plus von rund einem Prozent. Ihre Prognose für das gesamte Jahr: Der Konsum wachse um 1,6, nicht mehr - wie erwartet - um 2,2 Prozent.

Der private Konsum ist eine wichtige Stütze der Volkswirtschaft - insbesondere in Zeiten, da die Exporte stagnieren. Er macht mit 57 Prozent über die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes aus. Am stärksten hat die Reisebranche die Zurückhaltung der Deutschen seit den Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten gespürt. Viele Bundesbürger haben ihre Urlaube storniert. Die Neubuchungen lägen auch sechs Wochen danach immer noch 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau, heißt es beim Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband in Berlin.

Jede dritte Mark, die Verbraucher für Konsum ausgeben, geht in die Kassen des Einzelhandels. Dessen Lobbyisten stimmen in das allgemeine Klagelied ein: Der Terror von New York und der Krieg von Afghanistan hätten die ohnehin schwache Kauflust der Bundesbürger noch wesentlich gebremst. Hermann Franzen, Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), beschrieb vergangene Woche auf einer Delegiertenkonferenz die Situation seiner Branche so: "Der Oktober wird nach ersten Umfragen aller Voraussicht nach ein sehr schlechter Monat werden. Und das dämpft meine Hoffnungen für das Jahresende. Die Stimmung spricht nicht für ein gutes Weihnachtsgeschäft."

Doch möglicherweise kommt das Jammern zu früh. Denn noch ist das Jahresgeschäft nicht entschieden. Fachgeschäfte wie Spielzeughändler oder Parfümerien erwirtschaften zur Weihnachtszeit ein Viertel ihres Jahresumsatzes, bei großen Kaufhäusern ist es sogar die Hälfte. Auch im HDE ist man sich noch uneins. Während Präsident Franzen in Pessimismus macht, kehrt sein Geschäftsführer Hubertus Pellengahr die positiven Aspekte heraus: "Wir hoffen auf eine bessere Stimmung. Die Leute haben am 11. September ja nicht ihr Geld verloren."

In den vergangenen zwei Wochen, den Herbstferien in Nordrhein-Westfalen, habe viele Ladenbesitzer im Oberhausener Centro besonders viel umgesetzt. Einer sagt: "Das Wetter war schön, die Leute waren in Kauflaune." Ein Rentnerehepaar, eigens aus Kassel angereist, will sich das Konsumieren nicht verderben lassen: "Wir haben 40 Jahre lang gearbeitet, jetzt wollen wir uns was gönnen", so der ehemalige Versicherungsmann. Zusammen mit seiner Frau ist er zweieinhalb Stunden nach Oberhausen gefahren, um im Centro einen schönen Nachmittag zu verbringen. "Wir sparen nicht. Wir würden uns aber auch nicht als Otto Normalverbraucher bezeichnen", fügt er hinzu und knabbert an seinen Pommes. Drei- bis viermal im Jahr kommen die Hessen in die Shopping-Mall, um zu kaufen, was sie so finden.