Im Schlussspurt ihres Bürgermeister-Wahlkampfs erleben die New Yorker doch noch eine Schlammschlacht. In den Wochen gleich nach den Anschlägen war von den Kandidaten vor allem eine staatstragende Haltung gefragt, aber jetzt werden sie nervös - vor allem der Demokrat Mark Green. Green war zu Beginn des Wahlkampes der Favorit, aber sein republikanischer Widersacher Michael Bloomberg hat den Vorsprung auf nur noch fünf Prozentpunkte verringert. Und schon am Dienstag wird gewählt.

Jedenfalls fallen die Angriffe auf den Medienmogul Bloomberg jetzt zunehmend persönlich aus. Bloomberg, lasen die New Yorker in einigen Hauswurfsendungen, sei für Frauen eine "unakzeptable" Wahl. Er sei mehrfach wegen sexueller Belästigung angeklagt (in Wahrheit gab es nur einen Fall, in dem es um Bloomberg persönlich ging - und da gab es keine Verurteilung und kein Schuldeingeständnis). Das größte Manko des Multimilliardärs: Er wolle sich seine Stimmen kaufen. Tatsächlich hat Bloomberg seinen Wahlkampf selbst finanziert: tausendfach ausgestrahlte Werbespots, Plakate an Hauswänden und U-Bahnen, ganzseitige Zeitungsanzeigen und "Mike for Mayor"-T-Shirts haben zusammen die Rekordsumme von 41 Millionen Dollar verschlungen. Die Kampagne des Demokraten Green hat nach bisherigen Schätzungen bloß ein Drittel gekostet.

Bloomberg ist selbst auch nicht zimperlich und schießt zum Beispiel zurück, dass Berufspolitiker wie Mark Green "im Leben noch nichts geschaffen" hätten. Aber so richtig interessiert das die New Yorker alles nicht. Beide Kandidaten haben nach den Terroranschlägen im Schatten des populären amtierenden Bürgermeisters Rudi Giuliani weniger Profil gewinnen können als erhofft. Das sehen sogar ihre Wahlkampfhelfer so. "Mike, Du bewirbst Dich hier um den Posten als drittbester Bürgermeister aller Zeiten", scherzte der ehemalige Gouverneur Hugh Carey, als er sich auf einer Pressekonferenz hinter Bloomberg stellte. Und Mark Greens Unterstützer Bill Clinton lobte seinen Kandidaten auf einer Gegenveranstaltung: "Ich kenne ihn, er hat das Zeug, in den Job hineinzuwachsen".

Nun geht es bei der Besetzung des New Yorker Bürgermeisterpostens in der Tat ums Geld - aber nicht so sehr um die Wahlkampf-Millionen - eher darum, welchem Kandidaten in den kommenden Jahren das bessere Management für die öffentlichen Finanzen einfällt. Denn New York steht vor einem finanziellen Desaster, dem größten Defizit aller Zeiten. Allein schon wegen der heraufziehenden Rezession war das Finanzjahr 2002/2003 mit einem Minus von 3 Milliarden Dollar veranschlagt, doch seit den Attentaten soll das Loch etwa doppelt so groß werden (zum Vergleich: das gesamte städtische Budget liegt üblicherweise um die 40 Milliarden).

Und in Wahrheit stehen beide Kandidaten mit ungefähr den gleichen Rezepten vor den gleichen Dilemmata. Green wie Bloomberg haben sich gegen Steuererhöhungen ausgesprochen. Beim Wiederaufbau von Süd-Manhattan will Bloomberg daher sowieso auf private Initiative setzen, und Green hat für seine etwas ambitionierteren stadtplanerischen Ziele garantiert kein Geld. Aus Geldnöten werden beide gezwungen sein, städtisches Personal zu kappen - also bei genau jenen öffentlichen Angestellten bei Polizei und Verwaltung, die in den vergangenen Wochen zu Volkshelden aufgestiegen sind.