Doch dass Bloomberg ein "Macher" ist, ein erfolgreicher Unternehmer mit bisweilen exzentrischen Führungsmethoden, das wussten die New Yorker schon vor der Wahl. Seine Verachtung für das Parteien-Establishment ließ Bloomberg schon im Wahlkampf auf die Plakate schreiben: "Ein Führer", wolle er sein, "kein Politiker". Für seine Kandidatur wechselte er schnell mal von der demokratischen in die republikanische Partei. Machte alles nichts, im Gegenteil.

Politik-Insider machen sich da schon größere Sorgen, auf beiden Seiten des politischen Spektrums. Schließlich hatte Bloomberg in seinem eigenen Unternehmen noch nie mit Gewerkschaften zu tun, nach den Worten von Bloomberg-Managern pflegte er einen "Command and Control"-Stil. Jetzt stehen ihm erst mal harte Verhandlungen mit quasi-unkündbaren städtischen Bediensteten bevor. Und obwohl Bloomberg angekündigt hat, das eingespielte Team seines Parteifreundes und Vorgängers Rudy Giuliani nicht unbedingt zu übernehmen, geht man davon aus: Er wird ohne viele dieser alten Hasen nicht auskommen. "Er weiß weniger über diese Stadt und ihre Regierung als irgendein Bürgermeister in den letzten 100 Jahren", meint Fred Siegel, Professor an der Cooper Union in New York. Das freundlicher gesonnene Wall Street Journal titelte: "Guter Mann, unmöglicher Job".

Jedenfalls stand der hemdsärmelige Michael Bloomberg am Tag nach der Wahl erst mal vor Sonnenaufgang auf, begann mit den Vorbereitungen für seinen Amtsantritt im Januar und las mit Freude die Boulevardpresse - wo sie ihn jetzt liebevoll "Bloomy" nennen und sich von dem erfolgreichen Business-Man einen beherzten Wiederaufbau der zerstörten Downtown erhoffen. Bloomberg weiß aber selber am besten, dass er dafür kein Geld hat - sein Job wird es im Gegenteil sein, angesichts der wachsenden städtischen Milliardenschulden den Haushalt zu kappen, städtische Dienste zu streichen, Personal zu entlassen. (Seinem Widersacher Mark Green von den Demokraten wäre das übrigens nicht anders gegangen).

Dank seiner Aura als erfolgreicher Geschäftsmann konnte er im Wahlkampf immerhin glaubhaft die "private Initiative" der vielen Immobilienfirmen und Finanzkonzerne rings um die Wall Street beschwören - die würden den Wiederaufbau schon hinkriegen, und Mike Bloomberg nahm man so was ab. Gegen Steuererleichterungen für diese Firmen sprach er sich übrigens auch aus. "Eine Firma, die ihre Standortentscheidungen von Steuersätzen abhängig macht, wird sowieso nicht lange existieren", sagte er in einem Interview in der Woche vor der Wahl. Pikant erschien da nur, dass Bloombergs eigene Firma vor einigen Monaten 14,4 Millionen Dollar Steuererleichterungen herausgehandelt hatte - als Bedingung dafür, in der Stadt zu bleiben. Am Mittwoch teilte Bloomberg der New Yorker Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit: Seine Firma werde auf die Hilfen verzichten.

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