Sie hat, und das zeigt sich, wenn sich zum Beispiel Land A nicht an die Vereinbarungen hält. In diesem Fall können die Länder B und C das WTO-Schiedsgericht anrufen. Wird die Klage angenommen, dürfen B und C Handelssanktionen gegen A erheben. Nach Ansicht des ehemaligen WTO-Generalsekretärs Renato Ruggiero ist das Schiedsgericht das wesentlich Neue an der Welthandelsorganisation. Die Macht der WTO besteht darin, dass sie die Liberalisierung des Welthandels nicht nur beschließen, sondern auch durchsetzen kann.

Globalisierungskritiker wie der Amerikaner Kevin Danaher halten diese Macht für dunkel: "Die WTO ist für die Konzerne und gegen die Umwelt." Das Argument stützt sich auf die Tatsache, dass manches Gesetz als Handelsschranke wirkt, obwohl es anderen Motiven entsprang. In der EU ist es verboten, Rinder mit Hormonen zu füttern. In den USA ist es erlaubt. Alle WTO-Mitglieder dürfen hormonhaltiges Fleisch von außen abweisen - nur müssen sie beweisen, dass es gesundheitsschädlich ist. Da die EU dies nicht einmal versuchte, gab das Schiedsgericht den Amerikanern Recht. Jetzt dürfen die USA Sonderzölle auf EU-Produkte erheben, allerdings nur so weit, dass den Europäern dadurch derselbe Verlust entsteht wie zuvor den US-Rindfleischexporteuren. Was zeigt, dass auch die Macht des Schiedsgerichts so groß nicht ist. Nach Ansicht von Razeen Sally von der London School of Economics sind die WTO-Sanktionen "eher bescheiden".

Die WTO macht nur, worauf sich ihre Mitglieder einigen. Die EU zum Beispiel will den Handel mit auch nur potenziell umwelt- oder gesundheitsschädlichen Produkten beschränken. Die übrigen Mitglieder wollen das nicht, noch nicht.

Dabei könnten die WTO-Regeln in Konflikt geraten mit internationalen Umweltabkommen. Dann, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, komme es darauf an, was den Regierungen wichtiger ist. Den Regierungen, nicht der WTO, und in vielen Fällen damit den gewählten Parlamenten. So gesehen, hellt sich das Dunkle an der WTO auf. Im Licht erscheint das seltene Beispiel einer funktionierenden Weltinnenpolitik.

Oder doch nicht? Wenn der UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler der WTO vorwirft, dass es sie gibt, spricht er, aus der Weltperspektive gesehen, über seinen Nachbarn. Auch Ziegler hat sein Büro in Genf, an der Universität.

Jahrelang hat Ziegler in Afrika und Brasilien gelebt, in der Schweiz gilt er als Enfant terrible, und wenn er über die Armut, den Reichtum und den Welthandel spricht, muss man erst die Rhetorik von seinen Sätzen kratzen, um an die Argumente zu kommen.

Er sagt zum Beispiel, dass das eine armselige Weltinnenpolitik ist, die nur dann Sanktionen ergreift, wenn es um Hürden für den Handel, also um Geld geht, nicht aber um Menschenrechte. Er sagt, mit den WTO-Richtlinien geht es den Entwicklungsländern wie einem Passanten, den plötzlich eine neue Regel zwingt, gegen den Weltmeister zu boxen. Er sagt, die einen profitieren von der Globalisierung und die anderen nicht.