In den Veröffentlichungen von Alexander Roßnagel nun liest sich das noch wesentlich bedrückender. Er listet auf, was reale Angreifer bereits alles versucht hatten. So sahen sich Behörden in Orlando, Florida, schon in den sechziger Jahren mit einem ganz besonderen Erpresserbrief konfrontiert. Er enthielt die Konstruktionszeichnung einer Bombe, die nach Expertenauskunft tatsächlich funktionieren würde. Die Behörden wollten bereits nachgeben, als die Polizei den Erpresser entlarvte: Er war ein 14 Jahre alter Klassenprimus.

1972 drohten drei Männer, einen entführten Passagierjet auf den Reaktor von Oak Ridge stürzen zu lassen, wenn sie nicht zehn Millionen Dollar erhielten.

Sieben Jahre später stahl ein Beschäftigter aus der Brennelementefabrik Wilmington in North Carolina 70 Kilogramm Urandioxid und verlangte 100 000 Dollar - andernfalls werde er das giftige Pulver über einer amerikanischen Großstadt zerstäuben.

Beizeiten nahmen auch Gruppen aus der Dritten Welt US-amerikanische Ziele ins Visier, vorerst jedoch nur rhetorisch. Silvester 1975 drohte eine puertoricanische Befreiungsbewegung, in New York 25 Atombomben zu zünden.

Ernster zu nehmen war das Schreiben mehrerer Guerilla-Organisationen fünf Jahre später. Für den Fall von Militäraktionen gegen die Besetzer der dominikanischen Botschaft in Bogotá kündigten die Guerilleros bewaffnete Aktionen in den Vereinigten Staaten an: "Bedenkt, US-Gentlemen, daß ihr noch nie Krieg in eurem eigenen Land erlebt habt und daß ihr viele Kernkraftwerke besitzt."

Zwei Bomben gegen den Reaktor von Brennilis in der Bretagne

Militante Rebellen ethnischer Minderheiten, die sich unterdrückt oder ausgegrenzt fühlten, richteten ihren Zorn sogar gegen Reaktoren des eigenen Landes. Die baskische Eta attackierte in den siebziger Jahren mehrmals das Atomkraftwerk Lemoniz mit Bomben, die Bretonische Befreiungsfront 1975 mit zwei Sprengsätzen einen Versuchsreaktor bei Brennilis. Aktionen dieser Art hielt Roßnagel damals sogar in der Bundesrepublik des Jahres 2030 für möglich: "Ein Großteil der Ausländer, vor allem Türken, wird eine starke, im Ganzen wenig assimilationsfähige völkische Minderheit bilden. Schwer integrierbar werden sie in einer durch die eigene Sprache, Kultur und Religion geprägten unterprivilegierten Ghettosituation leben."