Seit Ende September steigt der Nemax-Branchenindex für Biotechnologie wieder. Rund 60 Prozent legte das Börsenbarometer - das die Entwicklung von Unternehmen wie Qiagen, BB Biotech oder Lion Bioscience abbildet - seitdem zu. Ein ähnliches Bild liefert der Nasdaq-Biotechnology-Index für die Vereinigten Staaten. Der Niedergang der einstigen Boombranche scheint vorbei zu sein.

Langfristig gibt es kaum Zweifel am Erfolg der Biotechnologie. Noch nie zuvor standen so viele verheißungsvolle Medikamente kurz vor ihrer Zulassung. Auch werden immer mehr Firmen profitabel. Die steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen ist ungebrochen: Weil die Menschen immer älter werden, nehmen altersbedingte Erkrankungen im gleichen Tempo zu wie die Ansprüche gerade der älteren Generation an eine hohe Lebensqualität. Gleichzeitig sorgt der technologische Fortschritt dafür, dass immer mehr Krankheiten immer früher behandelt werden können. Schon heute kommen bis zu 15 Prozent der Medikamente aus Bio-Tech-Laboren. Bald werden es bis zu 60 Prozent sein, schätzen Experten.

"Die Zukunft der Therapie sehen wir weniger in der Pharmabranche als in der Biotechnologie", so die Fondsberatungsfirma Medical Strategy aus München. Der Grund: Die Forscher der Biotechnologie setzen eine Stufe früher an als die Pharmakologen. Statt nur auf Symptome zu reagieren, gehen sie den Krankheiten bereits vor ihrem Ausbruch auf den Grund. Biotechnologen bekämpfen Viren, behindern die Entstehung von Tumoren und arbeiten daran, die Menschheit vor genetisch bedingten Erkrankungen zu schützen. So hat der Bio-Tech-Riese Amgen ein hoch profitables Medikament gegen Blutarmut entwickelt, der ebenfalls in Kalifornien beheimatete Konkurrent Genentech konnte Erfolge im Kampf gegen den Lymphdrüsenkrebs feiern. Die US-Firma Biogen rückte erfolgreich gegen die Multiple Sklerose vor, Medimmune gegen Atemwegsinfektionen und Immunex gegen chronische Polyarthritis.

"Endlich realistische Kurse"

Gelingt einer Firma die Entwicklung eines hochwirksamen Mittels gegen eine so weit verbreitete Erkrankung wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden, klingeln die Kassen der Aktionäre. Allerdings ist das Geschäft mit der Erforschung des menschlichen Körpers und der Entwicklung wirksamer Medikamente nicht ohne Risiko. "Im frühen Entwicklungsstadium eines Präparates ist mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 80 Prozent zu rechnen", betont Raimund Stummer, Spezialist für Biotechnologie bei der Lacuna Fondsverwaltung in Regensburg.

Die schmerzhaften Folgen der ersten und zweiten Bio-Tech-Spekulationsblase zu Beginn und zum Ende der neunziger Jahre sollten Investoren am besten vergessen. "Vor zehn Jahren war noch nicht klar, dass die Entwicklung von Medikamenten sehr lange dauert", erinnert sich Stummer. Diese Fehleinschätzung rächte sich bitter: Die Kurse fielen ins Bodenlose, zwei Drittel der damals börsennotierten Firmen sind längst vom Markt verschwunden.

Erst 1999 wurde die Branche von den Finanzmärkten wieder ernst genommen. Doch im Zuge des heillos übertriebenen Technologiehypes schossen die Bewertungen gleich wieder über Gebühr in die Höhe. Bis die Blase platzte. "Heute sind amerikanische Bio-Tech-Aktien endlich wieder realistisch bewertet", urteilt Stummer. Der Einstieg lohne daher. Um europäische Firmen machen die Fondsmanager indes immer noch einen großen Bogen. Sie gelten nach wie vor als zu teuer. "Wir investieren zu mehr als 80 Prozent in den USA", sagt Nicole Körtge, Fondsmanagerin des DIT-Biotechnologie. In Europa und vor allem in Deutschland gebe es viele interessante Neugründungen. Doch für den Einstieg sei es noch zu früh. "Bevor ich zugreife, will ich Erfolge sehen", sagt sie.