Das kleine Fernsehen, wie ich es mal nennen möchte, das zum Beispiel samstags vormittags läuft, nebenbei, für Hausfrauen, die bügeln, oder Hausmänner, die handwerken - wer nimmt das eigentlich wahr? Der Samstagmorgen macht das Fernsehen allerhöchstens zum Tagesbegleitmedium, wir lassen uns berieseln und haben meist keine Ahnung, was wir da eigentlich sehen. Dabei gibt es Sendungen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen: zum Beispiel Vetro, in der die urdeutsche Einrichtung des Stammtischs den Händen einer Iranerin und eines Türken anvertraut wird. Hier haben wir den Talk der Kulturen, den wir doch gerade heute so sehr vermissen, weil wir vermuten, dass er zur Lösung der Weltkrise beitragen wird. Der Kulturaustausch ist längst da und braucht nur intensiviert zu werden. Wenn Giti Hatef und Attila Vurgun mit der fünffachen Mutter und NRW-Landesmutter Karin Clement über die Bedingungen des Kinderhabens all over the world diskutieren oder wenn in einer anderen Sendung, Babylon, die skandalöse Ausweisung einer polnischen Pilzverkäuferin aus Görlitz und die Marginalisierung der Roma in Polen Thema sind, dann haben wir die Vielfalt als Zwietracht und Annäherung im Wohnzimmer. Dann brauchen wir nur zu gucken, zu überlegen und Partei zu ergreifen. Dem pausenfüllenden Nebenbei-Fernsehen besonders der öffentlich-rechtlichen Sender haftete lange der Nimbus des rein pflichtgemäßen Kulturprogramms an. Da heute die Pflicht zur Kür wird, zeigt sich die Lebendigkeit und Notwendigkeit dieser WDR-Anstrengungen und ihr intimer Kontakt zum Puls der Zeit.

Babylon und Vetro laufen jeden Samstag auf WDR um 10.00 Uhr