Bildungsministerin Edelgard Bulmahn will sie verbieten. Die Hochschulrektorenkonferenz diskutiert ihre Einführung vom ersten Semester an. Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Gabriele Behler und Jürgen Zöllner aus Rheinland-Pfalz vereinbaren sie für lange Nutzung: Studiengebühren sind wieder in aller Munde. Dabei zeichnet sich quer durch die Parteien ein gefährlicher Konsens ab: Die Gebühr für den "Bummelstudenten".

In Baden-Württemberg ist bereits heute eine Semesterpauschale von 1000 Mark fällig, wird die Regelstudienzeit um mehr als vier Semester überschritten. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben nun vorgeschlagen, in Zukunft jedem Studenten ein so genanntes Studienkonto einzurichten. Sind die kostenlosen Semesterstunden verbraucht, muss der Student auch hier zahlen. Im Saarland wie in Niedersachsen hat man ähnliche Pläne. Die Grundidee ist überall die gleiche: Wenn schon der Mut zu generellen Studiengebühren fehlt, dann will man wenigstens den Trödlern Beine machen.

Aber werden so die Chancen von Studiengebühren genutzt - und die durchaus vorhandenen sozialen Risiken vermieden? Befürworter in aller Welt nennen insbesondere drei Effekte, die durch Studiengebühren bewirkt werden:

- Größere Verteilungsgerechtigkeit. Wenn Hochschulabsolventen aus dem Studium individuelle Vorteile ziehen - sie verdienen im späteren Beruf im Durchschnitt besser und haben mehr Möglichkeiten, ihr Leben frei zu gestalten -, sollen sie auch eine finanzielle Gegenleistung erbringen. Zur Zeit findet eine Umverteilung in die andere Richtung statt: Die durchschnittlich schlechter Verdienenden, die nicht studiert haben, zahlen den später besser Verdienenden das Studium.

- Mehr Geld für die Hochschulen. Die unterfinanzierten Hochschulen können mit den Einnahmen aus Studiengebühren Angebote machen, die den Studenten direkt zugute kommen, und deren Betreuung verbessern.

- Ein neues Verhältnis zwischen Hochschulen und Studenten. Anders als heute treten die zahlenden Studenten als Leistungsempfänger auf. Die Hochschulen müssen um sie konkurrieren und sich auf die Interessen und Bedürfnisse der Studenten einstellen. Heute werden sie eher als "Last" und "notwendiges Übel" begriffen.

Diese Ziele sind durchaus erreichbar, wie Erfahrungen in Australien oder den Niederlanden zeigen. Wichtig sind dafür zwei Voraussetzungen: Die Gebühren müssen garantiert den Hochschulen zugute kommen - und sie dürfen nicht verhindern, dass Kinder aus unteren Einkommensgruppen das Studium meiden. Das heißt, es müssen Stipendien zur Verfügung gestellt werden sowie Darlehen, die die Studenten einkommensabhängig erst nach dem Studium zurückzahlen. Ohne diese Rahmenbedingungen lassen sich die Ziele von Studiengebühren nicht erreichen.