Ensminger: Von einem ersten Erfolg auf dem Petersberg sprechen die Beobachter, und tatsächlich spätestens bis zum Wochenende will man sich auf gemeinsame Ziele für die politische Neuordnung des Landes einigen. Der von der UNO vorgeschlagene Zeitplan für eine gemeinsame Übergangsverwaltung wurde bereits akzeptiert. Trotzdem: man muss abwarten. Noch ist die Übergangsregierung nicht gebildet und es gibt auch noch den einen oder anderen Stolperstein. So gibt es beispielsweise über eine mögliche Stationierung internationaler Truppen in Afghanistan ganz unterschiedliche Standpunkte. Nicht nur der Iran, auch Delegationsmitglieder haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Am Telefon ist nun Thomas Ruttig, Leiter des Büros der UNO-Sondermission für Afghanistan in Kabul und als Mitglied der UNO-Verhandlungsdelegation auch auf dem Petersberg dabei. Schönen guten Morgen!

Ruttig: Guten Morgen!

Ensminger: Herr Ruttig, Sie haben den ersten Verhandlungstag erlebt. Wie ist denn die Stimmung unter den Delegierten?

Ruttig: Die Stimmung ist eigentlich ganz gut. Wir sind sehr erfreut darüber, dass die Delegationen relativ intensiv miteinander sprechen, sozusagen über die Grenzen ihrer Delegationen hinaus. Das ist recht gelöst, wenn es, wie Sie schon angesprochen haben, auch strittige Fragen gibt. Man gibt sich zumindest Mühe, dort nicht etwa gleich Missstimmung aufkommen zu lassen.

Ensminger: Sie haben es erwähnt, die Gespräche laufen auf allen Ebenen. Die Konferenz ging gestern Abend noch ein bisschen weiter. Eine Pressekonferenz gab es aber später dann nicht mehr. Wissen Sie denn etwas, was Sie auch sagen dürfen, was wir noch nicht wissen?

Ruttig: Das ist schwierig zu beantworten. Dass die Pressekonferenz gestern Abend ausgefallen ist liegt daran, dass man sich zwischen den Delegationen geeinigt hat, erst einmal bilateral oder multilateral zwischen den afghanischen Gruppen weiterzureden. Da ist es dann auch ganz schwierig, mit Ergebnissen aufzuwarten. Es war ja nun erst der erste Tag der Konferenz.

Ensminger: Also über den Zeitplan hinaus haben wir noch nichts neues, aber heute geht es ja weiter. Wir haben eben schon mal gesagt, die Stimmung ist relativ gut, wenn auch zum Teil zurückhaltend. „Wir dürsten nach Frieden“ soll ein Teilnehmer gesagt haben. Ist das eben das, was auch antreibt, die Kriegsmüdigkeit?