Die Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause, im Original 1990 erschienen, bilden Frédéric Beigbeders autobiografisch gefärbten Erstling. Schon der Titel, eine Anspielung auf Simone de Beauvoirs Memoiren einer Tochter aus gutem Hause, deutet an, dass es sich hier um ein ironisches Werk handelt. Ironie galt Ende des 20. Jahrhunderts als Ausdruck eines Lebensgefühls. Damals gefiel sich die Generation der besser betuchten 20- bis 30-Jährigen darin, sich über alles Mögliche zu mokieren, vom Sonntagsbrunch bis zum sozialen Gewissen, ohne deshalb auf das späte Champagnerfrühstück am Wochenende und den Gang in den Dritte-Welt-Laden zu verzichten. Ihr Markenzeichen: Bissigkeit kombiniert mit Gähnen. Frédéric Beigbeder, erfolgreicher Kolumnist, Werber und Meister des gelangweilten Witzes, verkörperte diese saturierte Jeunesse dorée. Hier wurde der 35-jährige Franzose bekannt als Verfasser von Neununddreißigneunzig, einer Satire auf das Medien-Marken-Marktsystem. Der Held seiner Memoiren heißt Marc Marronnier: "Ich bin ein weichlicher Abenteurer, ein träger Romantiker, ein Schrumpf-Romeo, ein schwankender Defaitist, ein furchtsamer Deserteur." Er erzählt, wie er die Frau seines Lebens findet, verliert und wieder findet.

Anna und Marc lernen sich bei einer Explosion in einem Buchladen kennen und tun fortan gemeinsam, was sie bis dahin in anderer Begleitung taten: Sie ziehen von Party zu Party. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann haben sie heute damit aufgehört, denn dieser Roman birgt die Botschaft: Weh der Zerstreuung, Wohl der trauten Zweisamkeit. Beigbeder berichtet mit dem Furor eines nihilistischen Bergpredigers von der Entdeckung des Schweigens zu zweit, von einer Liebe, die nichts und niemanden braucht. Dumm ist nur, dass auf dem Weg zu diesem glücklichen Ende das meiste von dem verloren geht, was Literatur ausmacht. Beigbeder ist ein Sprücheklopfer und sein Text ein Feuerwerk der Pointen. Doch stellt der Kalauer noch kein Stilmittel dar und eine Sketchparade keine literarische Form. Die gesichtslosen Figuren (die einzige Ausnahme ist Marc) wursteln sich als Karikaturen ihrer selbst durch eine Geschichte, die nicht mehr ist als eine Ansammlung von Bonmots und Banalitäten: "Und der Tag brach an, wie er es häufig zu tun pflegte." Ein Buch also aus dem Fertig-Lustig-Genre, lustig zwar, aber damit auch schon fertig.

Frédéric Beigbeder:
Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause.
Roman; aus dem Französischen von Brigitte Grosse;
Rowohlt Verlag, Reinbek 2001; 95 S., 19,50 DM