Der Mann ist weg. Zumindest von Seite eins. Mit Mann kann man keine Auflage machen. Die Chefredakteure sagen es unverblümt: Er ist unverkäuflich. "Frau schlägt Mann, Blond schlägt Dunkel, Jung schlägt Alt." Das sind klare Botschaften und eindeutige Ergebnisse der Stammzellenforschung. Und wer Erfolg haben will, richtet sich danach. Die 14-täglichen TV Movie, TV Spielfilm, TV Today trauen sich schon seit Jahren nicht mehr, einen männlichen Pin-up auf den Titel zu setzen.

Stattdessen zärtliche "Bikini-Monster". Und weil sich die Republik in Sachen Erotik nach wie vor gern verschämt kurzsichtig gibt, werden einzelne Teile unserer lächelnden Heidis und Claudias um 25 Prozent "aufgeblasen". Alles soll größer und immer perfekter sein oder zumindest so aussehen! Die blond-pralle Aufrüstungsspirale bis zum Anschlag gedreht. Atombusen, ja danke. Von Penelope Cruz (auch ohne "plus 25 Prozent" eine der schönsten Frauen der Welt) weiß man, dass ihr Manager jedem Chefredakteur klare Anweisungen zum Fotolifting zukommen lässt. Die zu bearbeitenden Stellen kennzeichnet er mit einem roten Pfeil. Selbst Falten und Härchen, die nur unter dem Mikroskop erkennbar sind, müssen gnadenlos weg. Mit kriminalistischer Präzision übernimmt dann das Softwareprogramm PhotoShop den Fall. Zu jedem Gesicht findet man dort etwas im elektronischen Ersatzteillager. Wenn es sein muss, auch ein neues Gebiss. Günther Jauch, einer der wenigen männlichen Titelhelden, sah sich jüngst um seine schiefen Zähne gebracht. Perlweiß strahlte es aus seinem Mund. Hatte sich die Software etwa unautorisiert aus dem Ersatzteillager von Nadja Abdel Farrag bedient? Günther Jauch protestierte. Mit Erfolg. Seitdem lächelt er wieder naturbelassen, wie wir ihn kennen.

Hörzu und Gong sind die letzten Reservate unter den TV-Blättern. Hier zumindest gilt er noch, der Artenschutz für Männer. Wenigstens ab und an zeigen sie den normalen Mann, Ottfried Fischer zum Beispiel. Um die branchenüblichen 25 Prozent "aufgewertet", wurde der bayerische Kabarettist und Kriminologe auf dem Gong- Titel um seinen jährlichen Diäterfolg gebracht. Fischer als Moby Dick, das hat er nicht verdient. Doch was ist die Alternative? Die Titel von Wirtschaftsmagazinen mit ernsten Männermienen, die uns tief in die Augen schauen? Nein, die Antwort auf das stille Verschwinden der Männer kennt Men's Health und auch die Formel für ihre erfolgreiche Rückkehr auf die Titelseiten: Waschbrett- statt Waschbärbauch. Wenn es weiter nichts ist. Das kostet uns ein schlankes Lächeln.