Es geht aber auch anders. Billiger, einfacher, natürlicher. Mit Wollresten. Formt man daraus einen kniehohen Stumpf, wie es die Wyborger Walenki-Stiefel-Fabrik tut, werden daraus Walenki-Schuhe, federleichte Dinger, die aussehen wie Schuhrohlinge, geformt über einer Knieprothese mit Klumpfuß. Runder als Gummistiefel, leichter als Badelatschen, wärmer als Moonboots, ohne feste Sohle. Kein schönes Material, egal ob naturfarben belassen oder schwarz eingefärbt, aber höchst belastbar, falls du es nicht bei mehr als 40 Grad trocknest. Dann laufen sie ein. Darum sollte man sie eine Nummer größer kaufen. Pitschepatschenass dürfen sie nicht werden, die tapferen Walenki, dann geht die Wärme baden. Bei einem Preis von 150 Rubel, umgerechnet zwölf Mark, ist sofortiger Ersatz denkbar. Wäre da nicht besagtes Problem: Mangelwalenkiwirtschaft.

Auf dem Markt von Syktywkar, konfektionelle Lebensader aller 200 000 Einwohner der Hauptstadt der Republik Komi, gibt es alles, was warm und russisch macht: Pelzmützen ab 500 Rubel, Pelzmäntel ab 6000 Rubel, Schuhe in Hülle und Fülle, auch warme - aber keine Walenki. Dabei stecken sie an jedem vierten Paar Füße.

Aktives Suchen ist angesagt, in Hinterhöfen zum Beispiel. Dort, wo sich keiner hintraut, aber oft Geschäfte sind, die alles haben. Wie dieses hier, gegenüber vom Markteingang und dann links. Eine unlackierte Autotür, Pferdegeschirr, Gummiüberzüge für Strohhüte - und, auf Nachfrage, Walenki! Geschwind eilt der Verkäufer ins Lager. Mit drei Paar kommt er wieder. Die mittleren passen. "Zieh bei Tauwetter Galoschen drüber", rät der Händler. "Und halt sie von der Heizung fern." Da ist es zu warm.