Wer liebte nicht den Titelhelden von Dostojewskijs Idioten? Doch wer wollte ihn als Außenminister haben? Wer glaubte nicht gern an das Gute im Menschen? Doch wer möchte von Menschen geschützt werden, denen die eigene gesinnungsethische Reinheit wichtiger ist, als die Konsequenzen ihres Handelns zu verantworten? Schon Fichte hat zu Recht darauf hingewiesen, man könne zwar vielleicht die eigene Wange dem Aggressor darbieten, aber eben nicht die Wangen anderer. Über einen gutartig-naiven Regierungschef schreibt er: "Es ist nicht recht, daß diese [Nation], und mit ihr vielleicht andere Völker, und mit ihnen vielleicht die edelsten Besitzthümer, welche die Menschheit in tausendjährigem Ringen erworben hat, in den Koth getreten werden, bloß, damit von ihm gesagt werden könne, er habe an Menschen geglaubt."

Seid ihr prinzipielle Pazifisten? Dann solltet ihr euch ganz aus der Politik zurückziehen, denn Pazifisten sind wehrlos gegenüber Aggressoren, und moralische Politik hat zentral mit dem Schutz von Unschuldigen zu tun. Wer unter keinen Umständen das Risiko eingehen will, dass bei diesen Schutzmaßnahmen einige andere Unschuldige leiden, kann von jedem Aggressor erpresst werden.

Akzeptiert ihr das grundsätzliche Recht auf Notwehr, seid aber in diesem Fall gegen den Einsatz von Gewalt? Zugegeben, er ist untypisch, weil Terrorismus im Spiel ist. Aber dies wird in Zukunft der Normalfall gewaltsamer Konflikte werden. Sollte sich nicht eine zukunftsorientierte Partei auf eine weltgeschichtlich neue Situation einstellen? Die Taliban hatten ihr Territorium einer Mörderbande zur Verfügung gestellt, und es ist doch nur logisch, anzunehmen, dass Menschen, die vor der Ermordung von 5000 unschuldigen Zivilisten nicht zurückschrecken, noch stolzer wären, wenn ihnen die Tötung von noch mehr Menschen gelänge. Sicher haben die USA rasch ihre Kriegsziele von der Auslieferung bin Ladens auf den Sturz der Taliban ausgedehnt. Was ist falsch daran? Der Sturz von Milocevic und nun der Taliban hat viel mehr Menschen das Leben gerettet, als in den jeweiligen Kriegen leider ums Leben gekommen sind. Gewiss lässt sich der Terrorismus allein mit militärischen Mitteln nicht besiegen; kluge Entwicklungspolitik ist dringend gefragt. Natürlich muss noch mehr getan werden, um Zivilisten im Krieg zu schonen - dazu ist die Entwicklung treffsicherer Waffen unabdingbar, ebenso der Einsatz von Bodentruppen. Sollen nun allein Amerikaner und Briten diese Risiken tragen? Dass sich in Deutschland ein stabiler Rechtsstaat entwickeln konnte, ist mehr Leistung jener angelsächsischen Truppen, die Hitlers Herausforderung annahmen, als die der Deutschen, und während des Kalten Krieges hat die Nato besonders Deutschland geschützt. Wenn nun nicht Deutschland, sondern die USA angegriffen werden, soll sich da Deutschland anders verhalten, als die USA im umgekehrten Fall sich verhalten hätten? Nur wer sich dieser Koalition mit mehr als Worten anschließt, wird die Amerikaner vor Fehlern bewahren können, zu denen sie wie alle neigen. Seid stolz, nicht neidisch auf euren Joschka Fischer, dankt der Bundestagsfraktion, die nicht vor ihrer Verantwortung geflohen ist, und hört auf, nach unmoralischen Motiven für rational begründete Entscheidungen zu suchen. Das ist die Aufgabe des Sittenrichters am Jüngsten Tag, nicht die unsere. Wenn es Euch nicht gelingt, eine intelligente Theorie darüber zu entwickeln, wann Gewalteinsatz gerechtfertigt ist, werdet ihr in der Bundespolitik bald keine Rolle mehr spielen. Und das wäre schade, denn wir brauchen eine Partei der ökologischen Erneuerung in Zeiten des globalen Terrorismus, der die Aufmerksamkeit von der Umweltfrage abgelenkt hat, mehr denn je.