Die Schlagzeilen auf den Titelseiten der großen Zeitungen sind heute relativ uneinheitlich. "Frauenpower für Kabul" sieht "die tageszeitung" heraufziehen und bekräftigt die alte Parole aus "Emanzenzeiten" mit dem Foto einer lächelnden Frau ohne Schleier in Kabul. Auch die "Welt" hat dieses Foto auf der Titelseite, in Farbe. Immerhin dürfen die Frauen in Afghanistan ab sofort wieder arbeiten, und auf der Straße ist nach einem Dekret der Nordallianz nur noch ein Kopftuch zu tragen.

Die Wahlen in Dänemark sind ein weiteres wichtiges Tagesthema. "Nach achtzig Jahren verlieren die dänischen Sozialdemokraten ihre Mehrheit", schreibt die "Frankfurter Allgemeine". "Dänen erhalten rechte Regierung", meint die "Frankfurter Rundschau". Weitere Headlines beziehen sich auf den SPD Parteitag ("SPD gegen Konjunkturprogramm", Frankfurter Rundschau) und auf die allgemeine Konjunkturlage, von der die "Welt" behauptet: "Konjunkturkrise kostet eine halbe Million Arbeitsplätze".

Von einer ganz anderen Frauenpower als die "taz" hat "Bild" erfahren, die einen angeblichen Streit zwischen drei prominenten Frauen (J. Elvers, A. Sommer, "Naddel") zu einer Attacke in bewährter, alter Sexistenart nutzt: "Jetzt zoffen sich die Hühner".

Womit wir schon bei der Ernährung sind. Ein ominöses "Vitaminkartell" hat seit Jahren über uns geherrscht. Zum Glü ck wurde es nun rechtzeitig zu Beginn der kalten Jahreszeit aufgedeckt. Mit Orangen oder Zitronen hat das Kartell allerdings nur sehr bedingt zu tun. "Süddeutsche": "EU-Kommission: Die schlimmsten Kartelle, gegen die wir je ermittelt haben."

Nun auch Dänemark

Nachdem Rechtspopulisten bislang hauptsächlich im Süden Europas Wahlerfolge sammelten, ist nun auch unser nördliches Nachbarland Dänemark von diesem Virus infiziert. Bislang scheinbar eine Insel der sozialstaatlichen Glückseeligkeit und eine freundliche Heimstatt für Flüchtlinge aus aller Welt, wird nun auch zwischen Nord- und Ostsee gefremdelt. "Dänischer Rechtsruck belastet Europa" schreibt das "Handelsblatt". Erstmals seit 1920 verliert die sozialdemokratische Arbeiterpartei die Mehrheit. Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen hat dem entsprechend seinen Rücktritt eingereicht. Immerhin 12 Prozent der Dänen wählten die fremdenfeindliche Dänische Volkspartei, die zuvor nur bei 7,4 Prozent lag. Damit wird die Partei wahrscheinlich zum Mehrheitsbeschaffer der konservativen Venstre Partei, die 31,3 Prozent der Stimmen erzielte. Diese dürfte, wie es in Dänemark Tradition ist, eine Minderheitsregierung bilden. Auch in Norwegen hatte es bei den letzten Wahlen einen Rechtsruck gegeben. So konstatiert die "FAZ" nicht ganz ohne einen triumphierenden Unterton "das Ende einer Epoche" in Skandinavien. "Nichts ist mehr übriggeblieben von ihrem "Wohlfahrtsmodell", das sich im vergangenen Jahrzehnt in eine hektisch besuchte Reparaturwerkstatt verwandelt hatte". Den neuen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen sieht die Zeitung in schwierigem Fahrwasser: "Der neue Rasmussen tritt unter anderen Vorzeichen deshalb das Erbe des alten an: Ihm droht die Isolation eines kleinen, selbstverliebten Landes."

Das "Handelsblatt" sieht Probleme auch für die EU. "Die dänische Volkspartei zählt zu den vehementesten Widersachern der Europäischen Union." Der "Tagesspiegel" sieht Dänemark in einem Kommentar "auf dem Weg zur Insel". "Europa wundert sich über die Wahlen in Dänemark. Und schweigt. Aus Fassungslosigkeit über einen Wahlkampf, den wohl selbst Jörg Haider so nicht zu führen gewagt hätte. Kein guter Tag für die Toleranz und auch nicht für das Projekt Europa." Auch die "Frankfurter Rundschau" zeigt sich entsetzt über die Entwicklung. "Schon verlassen gut ausgebildete Ausländer das Land und Lehrer berichten, wie die Kinder "Parteiprogramme" vorlegen, die die Ausweisung aller Flüchtlinge und damit ihrer eigenen Klassenkameraden fordern". Nur die "Süddeutsche" versucht die Dänen zu retten, per Statistik. "Die EU hat festgestellt: 33 Prozent der Dänen sind "aktiv tolerant" das sind mehr als in jedem anderen Land der EU."