Die wird auch Bundesarbeitsminister Riester nicht brauchen, wenn er ab Januar tschechische und polnische Arbeitskräfte für den deutschen Sozialsektor legalisiert: "Riester plant Greencard für Pflegekräfte", meldet der "Tagesspiegel". Von den Gewerkschaften kommt vorhersehbarer Protest. Es müsse in jedem einzelnen Fall vom Arbeitsamt geprüft werden, ob keine geeignete deutsche Arbeitskraft zur Verfügung stehe. So schafft man Arbeitsplätze - in deutschen Arbeitsämtern.

Oh je, die Wirtschaft! "Jetzt offiziell: Rezession in Deutschland!", klagt die "Bild"-Zeitung. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen: Zwischen Juli und September gab es in Deutschland kein Wirtschaftswachstum, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um reale 0,1 Prozent. "Rezession bringt Schröder in Erklärungsnot", titelt das "Handelsblatt" und weist die Erklärung der Bundesregierung - die flaue Weltwirtschaft sei an allem schuld - zurück: "[A]usgerechnet die Exporte legten im dritten Quartal zu."

Die "tageszeitung" schaut auf den Konfliktschauplatz in Zentralasien: "Chaos um Kundus", melden die Berliner. Die gestrigen Kapitulationsmeldungen über die in der nordafghanischen Stadt eingeschlossenen Taliban haben sich wohl doch als verfrüht herausgestellt. Nun macht man sich Gedanken über die Verfassung der Nordallianz. Unterdessen planen die Amerikaner schon weiter: "Schock für die Grünen: USA haben Irak im Visier", heißt es dazu in der "Welt". US-Präsident Bush wird momentan nicht müde zu betonen, dass die Angriffe auf Afghanistan erst der Anfang einer umfangreichen militärischen Kampagne seien.

Afghanistan, die Grünen und der Krieg

Die "Süddeutsche Zeitung" wagt einen Blick in die Zukunft: "Eine Mehrheit der Grünen wird am Samstag in Rostock die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg gegen den Terror ablehnen", schreibt Nico Fried. "Der Kanzler wird deshalb am Sonntag dem Bundespräsidenten in Berlin die Entlassung der drei grünen Minister empfehlen. Und am Montag eröffnet Rudolf Scharping als amtierender Verteidigungs- und provisorischer Außenminister in Personalunion die Konferenz über die Zukunft Afghanistans auf dem Bonner Petersberg." Wahrscheinlich? Wohl eher nicht. Das meint auch Fried: "Allein dieses Szenario dürfte genügen, um auf dem Parteitag eine Mehrheit gegen die Beteiligung der Bundeswehr zu verhindern."

"Tagelang mussten die Grünen Nachrufe auf sich selbst lesen. Sowas lenkt natürlich ab.", höhnt Bernd Ulrich im "Tagesspiegel" und zeigt wenig Verständnis für die Funktionäre der geschundenen Partei: "Der Vorstand plant für den Parteitag eines der frechsten Betrugs- und Selbstbetrugsmanöver in der diesbezüglich reichhaltigen Parteigeschichte." Den Delegierten in Rostock werde ein "ganzer Sack voller Lügen und Halbwahrheiten" ausgeschüttet: "Der Krieg sei schon so gut wie vorbei, jetzt kommen die lieben Deutschen und die noch lieberen Grünen und bringen warme Decken."

Der kleine Koalitionspartner hat sich in eine wahrhaft verzweifelte Position manövriert. Nach vorne geht es nicht, zurück auch nicht. Eigentlich geht es nur noch nach unten. "Das Hauptproblem der Grünen ist in Rostock nicht, irgendeine Mehrheit zusammenzubringen", meint auch Bernd Ulrich, "sondern von der gebückten in die aufrechte Haltung zu kommen."