Mecklenburg-Vorpommern: nordöstlichstes Bundesland, 1,8 Millionen Einwohner, Tendenz fallend. Arbeitslosenquote: 17,6 Prozent, Tendenz steigend. Ludwigslust: größter Landkreis des Landes, rund 130 000 Menschen, und jährlich werden es mehr. Die Arbeitslosenquote beträgt nur 10,6 Prozent. Wie passt das zusammen?

Zwar bessern die Pendler die Statistik auf, denn der südwestlichste Landkreis Mecklenburgs grenzt an Niedersachsen und Schleswig-Holstein, auch nach Hamburg ist es nicht weit. "Aber das allein ist nicht der Grund", heißt es im Schweriner Arbeitsamt. "Im Landkreis Ludwigslust hat sich viel getan."

Initialzündung war die günstige Lage an der Autobahn 24 Hamburg-Berlin. Dann kam das Bielefelder Handelsunternehmen AVA, kaufte 15 Hektar Land und schuf 230 Arbeitsplätze. Zahlreiche Firmen aus der Elektro- und Nahrungsmittelindustrie folgten. Heute backt Dr. Oetker Pizza in Wittenburg, die Essigfirma Kühne siedelte sich in Hagenow an, Danone übernahm die dortigen Milchwerke. Auch Betriebe aus der Technologie- und Kommunikationsbranche brachten neue Jobs nach Ludwigslust.

"Der Landkreis ist ein attraktiver Standort für die unterschiedlichsten Unternehmen geworden", sagt Wolf-Helmut Sieg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Süd-West Mecklenburg. Die Gründe: niedrige Grundstückspreise, großzügige Zuschüsse des Landes, das bis zu 43 Prozent der förderfähigen Investitionskosten übernimmt. Überdies erhebt der Landkreis eine geringere Gewerbesteuer als andere Teile Mecklenburg-Vorpommerns.

Wichtig auch: schnelle und unbürokratische Hilfe. "Wir informieren die Unternehmer über die Fördermöglichkeiten, vermitteln die Ansprechpartner, gehen beim Baugenehmigungsverfahren zur Hand", erklärt Sieg. Dabei bemühe man sich immer um eine zügige Umsetzung. Die notwendigen Papiere für einen Neubau gibt es oft schon innerhalb einer einzigen Woche.

Diese reibungslose Zusammenarbeit mit Politik und Ämtern lobt auch Peter Terlinden, Geschäftsführer von New Tech. Vor allem aber reizte den Unternehmer aus Schleswig-Holstein die Entstehung eines neuen Multimedia-Parks in Zarentin, in dem 40 bis 60 IT-Unternehmen angesiedelt werden sollen. Da will Terlinden mit seiner Firma für Kommunikations- und Bezahlungstechnik dabei sein, um sich mit den anderen Firmen auszutauschen.

Fachkräftemangel gibt es im Landkreis Ludwigslust kaum. "Wir sprechen mit den Unternehmern frühzeitig über ihre Bedürfnisse", sagt Sieg. Zusammen mit dem Arbeitsamt erarbeite man Qualifizierungsprogramme; viele junge Menschen, die zur Arbeit in die alten Bundesländer pendeln, sagt Terlinden, würden gerne zurückkommen: "Die Anfrage von hoch qualifizierten und motivierten Leuten ist groß."