Wozu aber werden die Grünen am Wochenende neigen? Da doch viele in deren Reihen das Gefühl haben, sie hätten ihren politischen Selbstmord bereits hinter sich - seit der mehrheitlichen Zustimmung ihrer Abgeordneten zum potentiellen Einsatz der Bundeswehr. Das Dumme ist nur, dass der andere Teil der Grünen genau den gegenteiligen Eindruck hat: Dass gerade das eine der Berliner Koalition auch das Ende der Partei sein könnte. Man wir sehen…

Nicht ganz so geduldig schaut die SPD-Führung nach Rostock, wo sich dies alles am Wochenende klären soll. Deren Warnung lautet: Ein Parteitag kann keinesfalls ein Parlamentsvotum umstoßen. Dieser Satz ist so erkenntnisreich wie die Behauptung: Auch ein Parteitag kann nichts daran ändern, das zwei mal zwei vier ergibt. Was also soll diese mit warnendem Ton vorgetragene Selbstverständlichkeit? Außer dass sie dazu taugen kann, den Teil der grünen Delegierten, die den Krieg ablehnen, erst recht zu einem Veto zu veranlassen… (Wir kommen gleich darauf zurück!)

Für diese Zurechtweisung von der roten Seitenlinie gibt es drei mögliche Motive und Mahnungen:

Erstens: Leute lasst die Tassen im Schrank, die Schlacht ist doch schon geschlagen…

Zweitens: Wenn ihr ein Nein gegen den Bundeswehr-Einsatz beschließt, ist zwar nicht der Krieg zuende, aber die Koalition.

Und nun drittens - und ganz raffiniert: Wenn man die Grünen nur heftig zurechtweist und die Delegierten geradezu zu einem Nein provoziert, dann tritt die Situation Nummer zwei erst recht ein, diesmal nicht als Folge, sondern - als Absicht; als geheime, natürlich.

Aber da die Regierung in Berlin sitzt und der Parteitag der Grünen in Rostock tagt, sich also das Ganze im Norden abspielt, ist dies alles vielleicht ein wenig zu bayerisch gedacht - zu hinterfotzig mithin.