Wenn Schill in Hamburg einen so großen Anfangserfolg erzielte, dann auch wegen der Kampagne gegen den vormals herrschenden Polit-Filz. Und was macht Schill? Er versucht, den Filz auf die Spitze zu treiben. Dass er eine Weile lang versuchte, seine Lebens(abschnitts)gefährtin auf eine Staatsratsposition, auf die höchste Hamburger Beamtenposition zu hieven, obwohl die gute Frau nicht einmal die Qualifikation für die Eingangsstufe des höheren Dienstes nachweisen konnte - wir wollen das gerne vergessen, weil es erstens nicht geklappt hat und die Dame inzwischen nicht mehr seine Lebensgefährtin ist. Dass Schill Leute aus seiner Fraktion in Stabsfunktionen in der Innenbehörde unterbringen wollte, zum Teil mit amtlichem, zum Teil ohne jede ordentliche Zuweisung von Amt und Funktion - auch das ließ sich, offenbar mühselig genug, unter öffentlichem Druck revidieren.

Aber nun kommt das nächste Bubenstück: Immerhin läuft gegen Schill noch ein Strafverfahren - am 14. Dezember ist Verhandlung. Und ausgerechnet seinen Strafverteidiger in diesem Verfahren hat Schill nun zum Staatsrat in der Innenbehörde gekürt - Dienstantritt: 1. Januar 2002. Die Sache hat nun verschiedene "G'schmäckle" - obwohl sie rein rechtlich nicht angreifbar erscheint. Zum ersten: Leitende Staatsfunktionen werden nicht als Belohnung für persönlich wichtige Dienste vergeben - sollte man meinen. Zum zweiten: Schill ernennt den Mann (einen tüchtigen Hamburger Anwalt, nebenbei gesagt) zu einem Zeitpunkt, zudem noch gar nicht feststehen kann, wie der Prozess enden wird und ob Schill danach wirklich Senator bleiben kann; die Ernennung eines neuen Staatsrats greift also insofern den Dingen stillos vor, als es durchaus möglich ist, dass Schill als Senator in Wegfall gerät, sein Anwalt aber dem Nachfolger als Staatsrat ins Vorzimmer gesetzt wurde, zumindest moralisch. Und drittens: Vor Gericht, am 14. Dezember, taucht Schill nicht etwa mit einem unabhängigen Anwalt auf, sondern mit dem küfntigen Empfänger seiner politischen Anweisungen - und das Gericht bekommt es nicht mit einem "neutralen" Anwalt zu tun, sondern mit jemandem, vom dem die Richter wissen, dass er künftig als Staatsrat eines zu sagen haben wird - zwar nur in der Innenbehörde, aber wer vermag ausschließen, dass es auch Durchstechereien geben könnte nach der politischen Aufsicht über die Justiz.

Wie man es dreht und wendet: Die Sache ist ein Stilbruch unter jedem denkbaren Gesichtspunkt. Aber so sind sie, unsere selbsternannten "Staatsschützer": Wenn sie drankommen, denken auch sie nur an Selbstschutz. Sachsen-Anhalt ist gewarnt. Hamburg auch. Und wer hört hin?

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