Warum solche Bücher nicht zum Nachkochen durch Hobbyköche geschrieben, sondern als monumentale Selbstdarstellungen in den Orbit gebracht werden, habe ich hier schon mal erklärt: damit andere Köche vor Neid erblassen. Und es gibt keinen Zweifel, dass das bei den beiden vorliegenden Büchern nicht anders ist.

Die Lebensläufe des jeweiligen Küchenchefs werden mit einer an Personenkult grenzenden Lobrede gefeiert, um die mancher Nobelpreisträger die Kollegen von der kochenden Zunft beneiden könnte. Wehe dem Koch, der sich nicht schon als Krabbelkind auf den Knien des Großvaters hat fotografieren lassen! (Wobei seine Gedanken, wie könnte es anders sein, bei den Kupfertöpfen der Großmutter weilten.)

Selbstverständlich hatten beide Kochkünstler schon als Kinder innige Beziehungen zur Natur und ihren essbaren Produkten sowie den Ehrgeiz, durch deren Veredelung Ruhm zu erwerben. Der wird von der Gastronomiekritik unterschiedlich kommentiert. Bourgueil gilt als klassisch, also konservativ, während Dieter Müller die Avantgardisten auf seiner Seite hat.

Liest man beide Bücher gleichzeitig, sind die Unterschiede minimal und keineswegs typisch für diesen oder jenen Stil. Beide Köche schäumen ihre Saucen gern mit dem Mixer auf, was ich bisher für eine schlechte Angewohnheit unbegabter Kantinenköche hielt. Die Gerichte sind wie zu erwarten anspruchsvoll, das heißt kompliziert und selten ausführlich beschrieben. Zwar lobt Bourgueil die Delikatesse der dicken Bohnen, erklärt aber nicht, wie lästig (und notwendig) es ist, die Kerne zu enthäuten und zu halbieren. Müller beschreibt ein Kuttelrezept, ohne die Garzeit zu präzisieren; doch das ist für Leute, die eine Hi-Fi-Anlage nach einer japanischen Gebrauchsanweisung montieren können, kein Problem. Größere Probleme machen die Inhaltsverzeichnisse, da sie nicht nach alphabetischen Stichwörtern geordnet sind.

Doch das sind Einwände, die den Durchschnittsleser betreffen, für den diese Bücher nicht gemacht sind. Wirklich kritisch ist allerdings ihr Erscheinungsbild. Beide sind im DuMont-Verlag erschienen und vom selben Designstudio ausgestattet. Leider haben diese Leute ihre Arbeit wichtiger genommen als die Rezepte. Vor allem das Buch von Dieter Müller wurde auf ärgerliche Weise malträtiert. Bombastische Fotos vor unsinnigen Hintergründen, optische Kinkerlitzchen und ein prätentiöses Layout entwerten die Arbeit des Küchenchefs, weil das grafische Durcheinander beim Leser jegliche Neugier auf den kulinarischen Inhalt erstickt. Das Buch über Jean-Claude Bourgueil hat vom Designkitsch weniger abbekommen, doch fragt man sich, ob der in Düsseldorf kochende Franzose auf 44 (vierundvierzig!) Fotos auftauchen muss (Dieter Müller bringt es nur auf 15).

Und beide Bücher provozieren die klassische Frage: "Konnte es nicht 'ne Nummer kleiner sein?"

Nach diesem Ausflug in die Welt der hohen Kochkunst fällt der Blick des Rezensenten ebenso hungrig wie übersättigt auf weitere Bücherstapel, deren Thema die Kulinarik ist. Wieder ist es ein Doppelpack, der sein Interesse weckt, obwohl der Titel ihn zusammenzucken lässt: Die echte französische Küche und, beim zweiten Band Die echte italienische Küche.