Diese so genannten Snuff-Filme haben die Fantasie vieler Autoren beflügelt. Auch Donna Leon erzählt in ihrem Krimi Vendetta von einem Ring perverser Geschäftemacher, die systematisch junge Frauen entführen, vergewaltigen und töten und die Videoaufnahmen dieser Taten zu Geld machen. Auch der Kinofilm 8 mm handelt von solchen Untergrundgeschäften.

Aber bislang sind das glücklicherweise alles Produkte der Fantasie. Tatsache ist, dass noch nie die Existenz eines einzigen Snuff-Videos nachgewiesen werden konnte. Es gibt Grenzfälle wie etwa makabre Sammlungen von zufällig dokumentierten Todesfällen oder Filmaufnahmen von Hinrichtungen. Besonders perverse Gewalttäter haben auch schon Videoaufnahmen ihrer Opfer vor oder nach der Tat gemacht. Aber das systematische Filmen von Morden und vor allem der dazugehörige Schwarzmarkt sind nach Ansicht aller Experten Hirngespinste.

Seinen Namen hat das nichtexistente Genre von dem Film Snuff, einem billigen argentinischen Horrorstreifen, der 1976 in den USA auf den Markt kam, angereichert mit einer zusätzlich gedrehten Szene, in der angeblich die Macher des Films eine der Darstellerinnen brutal umbringen. Ein bewusst gestreutes Gerücht, um den Film besser vermarkten zu können - sogar die Frauenrechtlerinnen, die vor den Kinos protestierten, waren vom Produzenten eigens informiert worden. 1991 geriet dem Schauspieler Charlie Sheen ein angeblicher japanischer Snuff-Film in die Hände, den er prompt dem FBI übergab. Aber auch dieser Film mit dem Titel Flower of Flesh and Blood konnte zweifelsfrei als Fiktion entlarvt werden, ebenso wie alle späteren, angeblich authentischen Machwerke aus diesem geschmacklosen Genre.

Ein fast schon beruhigender Gedanke: Nicht jede Monstrosität, die man sich vorstellen kann, wird auch in die Tat umgesetzt. Christoph Drösser

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