Was ist ein Blik? Ein Traumwesen, ein Fabelgeschöpf, ein Gnom, der alles sieht, aber nichts verändern kann. Ein Sinnbild meiner selbst, das alles über mich weiß, meine Schwächen kennt, meine Stärken, meine Obsessionen.

Blik ist mein Alter Ego, mein Korrespondent, der in meinem Traum von Tisch zu Tisch, von Uhrzeiger zu Uhrzeiger, von Straßenkreuzung zu Straßenkreuzung fliegt. Ein armes Geschöpf im Grunde, das alles weiß, alles sieht, aber zum Eingreifen die Macht nicht hat.

Ich lese Ringelnatz, irgendwo auf einer Bühne. Irgendwo sitzen Menschen vor mir, die zuhören und von denen ich nicht weiß, ob sie mich mögen oder Ringelnatz - oder uns beide.

Zeit, den Blik herauszulassen, der mir sagen soll, wie ich grad aussehe, da vorne auf der Bühne.

Ich beginne zu lesen.

"Überall ist Wunderland,
überall ist Leben,
bei meiner Tante im Strumpfenband,
wie irgendwo daneben ..."

Ich höre Blik kichern. Mehrmals schlägt er seine kleinen Flügel zusammen - denn er gleicht einem Elfen, der nach vorne fliegt und nach allen Seiten staunt. "Ich sehe sehr viele Falten in deinem Gesicht. Und ich höre, wie die Menschen über dich tuscheln und raunen ..."