Die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erhält für ihr umstrittenes Sparpaket für den Arzneimittelbereich Unterstützung aus der Wissenschaft. Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen wird Anfang Dezember ein Gutachten vorlegen, das die von Schmidt geplante "Aut Idem"-Regelung (auf Deutsch: "oder das Gleiche") gutheißt. Nach dieser Regelung sollen Ärzte in Zukunft nur noch Wirkstoffe verordnen und Apotheker ein entsprechendes Medikament aus dem unteren Preissegment auswählen. Seit Wochen warnt der Bundesverband Pharmazeutische Industrie (BPI) vor einem drohenden Verlust von 20 000 Arbeitsplätzen. Die Regierung verspricht sich von der Regelung Einsparungen mit einem Volumen von etwa 450 Millionen Mark. Die Sachverständigen verweisen auf positive Erfahrungen mit vergleichbaren Gesetzen in Dänemark und Holland. Im Nacht- und Notdienst sei Aut Idem längst Praxis. Warnungen vor Dosierungs- und Behandlungsfehlern seien deshalb übertrieben.

Außerdem sprechen sich die Gesundheitsexperten für die Zulassung von Versandapotheken aus. Der Bezug von rezeptpflichtigen Medikamenten über das Internet ist in Deutschland verboten, das Bundesgesundheitsministerium arbeitet jedoch gemeinsam mit den betroffenen Interessengruppen an einer Neuregelung.

Der Sachverständigenrat verweist auch hier darauf, dass die Erfahrungen in anderen Ländern positiv und die Sparpotenziale erheblich seien. In Deutschland ist laut Expertengutachten das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2001 zu sechzig Prozent auf den Arzneimittelbereich zurückzuführen.