An der Athener Börse geht ein bewegtes Jahr zu Ende: Die globale Wirtschaftskrise führte zu einer heftigen Kurskorrektur, die bis in den Spätsommer andauerte. Erst in den vergangenen drei Monaten beruhigte sich der Markt wieder, und die griechischen Aktien konnten einen rasanten Kursanstieg verzeichnen. Der Aktienindex ASE - das griechische Pendant zum deutschen Dax - kletterte in den vergangenen zwei Monaten um mehr als 600 Punkte nach oben und bewegt sich nun in der Nähe von 2700 Punkten. Anfang November hat die Bekanntgabe der Fusion der beiden Großbanken National Bank of Greece und Alpha Bank für zusätzlichen Schwung gesorgt. Der Zusammenschluss wird in spätestens zwei Jahren abgeschlossen sein, das neue Institut soll Alpha Ethniki heißen.

Mit der Aufnahme in den MSCI-Index für entwickelte Märkte im Juni veränderte sich das Investitionsklima an der Sophokleus-Straße: Die Athener Börse wird seitdem nicht mehr an den Börsen der aufstrebenden Märkte - der Emerging Markets - gemessen, sondern an Finanzplätzen wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Deutschland.

Dieser Aufstieg war die notwendige Konsequenz aus den wirtschaftlichen Veränderungen in Hellas. "Griechenland konnte nicht länger mit Ländern wie Polen, Ungarn oder Russland verglichen werden", bestätigt Jens Bastian, Analyst für Südosteuropa bei der Alpha Bank in Athen. Im Vorfeld der Aufnahme in den MSCI hatten internationale Investmenthäuser mit Kapitalzuflüssen von bis zu fünf Milliarden Euro für die Athener Börse gerechnet. Allerdings wurden ihre Erwartungen recht schnell enttäuscht: Schon in den Monaten vor der Umstellung mussten viele Manager von Emerging-Market-Fonds ihre griechischen Positionen verkaufen. Das Angebot überschwemmte den Markt, die Kurse fielen. Neue Aktienkäufe von institutionellen Anlegern blieben zunächst aus.

Eine weitere Kehrseite des Aufstiegs: Während Griechenland unter den Entwicklungsländern eine gute Position hatte, liegt es im Vergleich mit den Industrieländern im hinteren Feld. Der griechischen Aktienmarkt muss sich auf dem neuen internationalen Parkett erst behaupten. "Die Investoren erwarten eine höhere Qualität", sagt Bastian.

Doch seit der angekündigten Fusion der beiden Großbanken ist das Interesse an der Athener Börse gewachsen. Im jüngst liberalisierten Bankenmarkt ergeben sich nach Einschätzungen von Dimitris Malliaropulos, Analyst bei der National Bank of Greece in Athen, viele Möglichkeiten für Investitionen. "Im Zuge der fallenden Zinsen ist die Kreditnachfrage stark gestiegen. Im europäischen Vergleich liegt das griechische Kreditgeschäft allerdings immer noch an letzter Stelle - hier gibt es ein erhebliches Wachstumspotenzial", sagt er.

"Außerdem bieten neue Technologien die Möglichkeit, Kosten einzusparen."

Neben dem Kreditgeschäft verspricht auch das Geschäft mit Finanzprodukten für griechische Privatkunden höhere Gewinne. Der Vertrieb beispielsweise von Investmentfonds steht noch am Anfang. Steigt die Nachfrage nach Fondsanteilen, erhöhen sich die Provisionseinnahmen der Banken. Bei all diesen Möglichkeiten, so hoffen die Experten, kann vor allem der neue Bankenriese Alpha Ethniki von seiner Marktmacht profitieren.