Blut ist nicht gleich Blut. Mal bringt es Heil, mal überträgt es tödliche Erreger, mal dient es dem Horror, mal der Gesundheit. Davon erzählt die interdisziplinär angelegte Doppelausstellung mit dem anspruchsvollen Titel Blut: Perspektiven der Kunst, Macht, Politik und Pathologie in der Frankfurter Kunsthalle Schirn und im Museum für Angewandte Kunst. Die Ausstellung gliedert sich in vier Kapitel: Blut und Opferung, Blut und Erlösung, Blut und Dynastie sowie Blut und Pathologie

von den rituellen Blutopfern der Maya reicht sie bis zu den orgiastischen Blutergüssen des Wiener Aktionisten Hermann Nitsch. In der Abteilung der zeitgenössischen Kunst schneiden sich auch Günter Brus und Marina Abramovic beinahe kunstvoll ins eigene Fleisch. Der nasenblutende Joseph Beuys nebenan wirkt dagegen vergleichsweise putzig. Auch Blutärmliches ist zu sehen: Die blaublütig bleichen Damen und Herren der Familien Habsburg und Romanow blicken inzüchtig auf uns herab. Mehr als 160 Exponate illustrieren noch bis zum 27. Januar 2002 schlaglichtartig die Kulturgeschichte des Blutes, wobei die Ausstellungsmacher im Bemühen, nichts auszulassen, vieles nur angepikst haben. Sie haben anscheinend auch keinen eher nebensächlichen Aspekt außer Acht gelassen: So kann man seinen Blutdruck messen und gleich nebenan in einer Vitrine leibhaftige Blutegel beim kollektiven Saugen beobachten. Wer selbst Blut spenden möchte, braucht keinen Eintritt zu zahlen.

Blutwursthäppchen im Foyer gibt es jedoch keine.