Er galt immer als Gegenentwurf zum traditionellen Bild eines Bankvorstandes. Ein Chef, der Krawatten scheut und wichtige Dokumente lieber im Rucksack schultert, statt sie im Pilotenkoffer zur nächsten Konferenz zu tragen. Jetzt hat der Entwurf hässliche Flecken bekommen: Karl Matthäus Schmidt, 33-jähriger Vorstandschef des Online-Brokers Consors, darf zusehen, wie sein Unternehmen immer stärker unter Druck gerät.

Consors ist in Schwierigkeiten, seit das Mutterhaus, die Schmidt-Bank im fränkischen Hof, de facto die Eigenständigkeit verloren hat. Die vom Vater des Consors-Chefs, Karl Gerhard Schmidt, geführte Privatbank war wegen massiver Kreditausfälle in Schieflage geraten und am Sonntagabend von einem Bankenpool vor dem Zusammenbruch gerettet worden. Insider fürchten, dass die im Pool vereinten privaten Geschäftsbanken - Deutsche, Dresdner, Commerzbank und HypoVereinsbank - kaum ein Interesse daran haben, Consors zu retten. Zu hart ist der Wettbewerb im umkämpften Markt der Online-Broker, zu groß das Interesse, die eigenen Tochterbanken wie Comdirect oder DAB Bank zu stärken.

Die Consors-Krise ist für die ebenfalls unter hohen Kosten leidenden Broker Comdirect und Co. die beste Gelegenheit, das zu bekommen, was derzeit alle suchen: neue Kunden. Bis zu 1000 Euro, heißt es in der Branche, kostet es normalerweise, einen einzigen Kunden neu zu werben. Allemal günstiger ist es da, die knapp 560 000 Consors-Kunden mit allerlei Preisnachlässen zu locken.

Die Sparkassentochter S-Broker verkündet gar ungefragt, man bleibe ein "sicherer Hafen für Anleger" - obwohl das überhaupt niemand bezweifelte. So beschleunigt die Verunsicherung der Kunden das Ende von Consors. Je mehr Depots der fränkische Online-Broker verliert, desto eher droht das Aus.

Ob die Rechnung der Großbanken aufgeht, denen der unkonventionelle Jungbanker Schmidt schon immer ein Dorn im Auge war, liegt an der Aufsicht. Sie darf nicht zulassen, dass der Wert von Consors allein durch Angst zerstört wird.

Immerhin gehört der Broker nicht nur der Schmidt-Bank, sondern auch vielen Aktionären am Neuen Markt. Consors sei "stark genug, um diese Probleme durchzustehen", heißt es in einer aktuellen Studie von WestLB Panmure.

Immerhin verfügt der Broker über mehr als 400 Millionen Euro Eigenkapital.